Chronik
Das Alte Burgtheater war nicht der bis heute genutzte Neubau am Ring, sondern ein nicht mehr bestehender Teil der Hofburg gegen den Michaelerplatz. Seit 1888 ist der Neubau am Ring Sitz des Burgtheaters; zur Unterscheidung ist für das frühere Haus am Michaelerplatz der Begriff „Altes Burgtheater" gebräuchlich.
Im März 1741 überließ Maria Theresia dem Pächter des Kärntnertortheaters, Joseph Carl Selliers, das 1540–1542 im Auftrag Ferdinands I. erbaute, zur Hofburg gehörige Ballhaus, um dort ein Theater einzurichten. Der eigentliche, dauerhafte Umbau erfolgte erst 1748 durch den neuen Pächter Baron Rocco de Lo Presti, der dem ehemaligen Ballhaus laut Vertrag die „wahrhaffte Form eines Theatri" geben sollte und die Baukosten persönlich zu tragen hatte. Der Erweiterung fielen große Teile der alten Schatzkammergalerie zum Opfer. Mit dem Umbau wurde Ende Februar 1748 begonnen; am 14. Mai desselben Jahres konnte das Alte Burgtheater mit der Oper „Semiramide riconosciuta" von Gluck und Metastasio anlässlich des Geburtstages Maria Theresias wiedereröffnet werden.
1761–1763 fand das deutsche Theater, das seinen Spielort durch eine Brandkatastrophe verloren hatte, im Burgtheater vorübergehend ein Domizil. Am 23. März 1776 ordnete Joseph II. nach der Zahlungsunfähigkeit des letzten Pächters an, das Haus als „Teutsches Nationaltheater" in Eigenregie des Hofes zu betreiben; die Schauspieler wurden zu Hofbeamten. Das deutsche Sprechstück wurde bewusst gepflegt, Oper und Ballett traten wieder in den Vordergrund, etwa mit Mozart. Da Wien kein eigenes Konzerthaus besaß, wurde das Burgtheater auch in der Konzertgeschichte eine denkwürdige Aufführungsstätte.
Aus Platzmangel wurde seit dem späten 18. Jahrhundert vermehrt über einen Theaterneubau nachgedacht. Was als Provisorium gedacht war, wurde zur Dauerlösung – das Burgtheater blieb Hoftheater und entwickelte sich im 19. Jahrhundert zur führenden deutschen Bühne. Die Neugestaltung Wiens seit 1858 und der projektierte Ausbau der Hofburg am Michaelerplatz machten schließlich den Abriss des Alten Burgtheaters und den Bau des neuen, größeren Hauses erforderlich. Bis heute erinnert am Michaelerplatz, links des Michaelertors, eine Gedenktafel an das Alte Burgtheater.

