Chronik
Die Sternwarte am Dach der Wiener Urania ist Österreichs älteste Volkssternwarte. Sie ist mit einem leistungsfähigen automatischen Doppelteleskop ausgestattet und eröffnet trotz der Helligkeit der umgebenden Stadt astronomische Beobachtungsmöglichkeiten. Unter der Beobachtungskuppel befindet sich die Laterne, ein zwölfeckiger Raum, der für Vorträge genutzt wird. Im Laufe des Jahres bieten zahlreiche Führungen Beobachtungsmöglichkeiten von Sonne, Mond und anderen Himmelskörpern durch das computergesteuerte Linsen- und Spiegelteleskop.
Das Vorbild zur Gründung einer öffentlichen Sternwarte stammte aus Berlin: Der deutsche Astronom M. Wilhelm Meyer, 1853 in Braunschweig geboren, arbeitete nach seinem Studium in Göttingen ab 1883 in Wien mit Theodor von Oppolzer am Kanon der Finsternisse und verfolgte die Idee eines „wissenschaftlichen Theaters". 1885 nach Berlin berufen, initiierte er 1888 mit dem Direktor der Berliner Sternwarte, Wilhelm Foerster, die Gründung der Berliner Urania – benannt nach der Muse der Astronomie. Die erfolgreichen Berliner Aktivitäten regten den Sekretär des NÖ Gewerbevereines, Emil Auspitzer, an, ein populärwissenschaftliches Institut nach diesem Vorbild in Wien zu errichten. Am 16. April 1897 erfolgte die Gründung der Wiener Urania; das erste, provisorische Gebäude entstand im Prater zur Jubiläumsausstellung anlässlich des 50. Regierungsjahres Kaiser Franz Josephs I.
Nach schwierigen Jahren und mehrfachen Verzögerungen konnte am 4. Mai 1909 der Grundstein für das neue Gebäude gelegt werden. Architekt des Volksbildungsinstituts und der Sternwarte war Max Fabiani, ein Schüler Otto Wagners. Noch vor Abschluss der Arbeiten wurde die Sternwarte anlässlich der Wiederkehr des Halleyschen Kometen am 20. Mai 1910 eröffnet, ausgestattet mit einem Zeiss-Refraktor von 20 cm Öffnung und 308 cm Brennweite. Bereits 1913 kam mit der telefonischen „Urania-Zeit" eine zusätzliche, populäre Dienstleistung hinzu. 1920/21 erreichte die Sternwarte mit 11.290 Besuchern einen Rekord; regelmäßig hielten auch bekannte Astronomen wie Samuel Oppenheim und Johann Palisa Kurse und Vorträge.
Im November 1944 zerstörte eine Fliegerbombe die Sternwarte und den Zeiss-Refraktor fast vollständig; nach dem Krieg übernahm die nicht zerstörte Kuffner Sternwarte die Funktion als Wiener Volkssternwarte. Erst 1956 konnten Laterne und Kuppel von der Stadt Wien neu errichtet werden, im März 1957 nahm die Sternwarte mit einem Cassegrain-Teleskop (26 cm Öffnung, 518 cm Brennweite) den Führungsbetrieb wieder auf. Ab 1971 leitete Hermann Mucke die Sternwarte und nahm 1980 ein speziell für Bildungsaufgaben konzipiertes Doppelfernrohr in Betrieb. Ab dem Jahr 2000 übernahm Peter Habison gemeinsam mit der Kuffner Sternwarte und dem Planetarium Wien die Leitung.
Quelle: Die Wiener Volkshochschulen

