Chronik

Die erste Kirche am Ulrichsplatz war eine Kapelle und wurde von Dietrich dem Reichen (1170–1235) gestiftet. Dies geschah im Jahre 1211. Herr Dietrich war zu seiner Zeit einer der einflussreichsten Bürger Wiens. Er war Günstling des Erzherzogs von Österreich, außerdem Münzmeister und Stadtrichter in Wien und kam im Laufe seiner Karriere zu unermesslich viel Geld und einigem Landbesitz rund um Wien, so auch einem Landgut in Zeismannsbrunn. Man erzählte sich von Dietrich, dass er sein Geld mit der Schaufel gezählt habe. Der heilige Ulrich von Augsburg wiederum war zu Beginn des 13. Jahrhunderts ein recht beliebter Heiliger, dem sehr viele Kirchen im deutschen Raum gewidmet wurden.

Hundert Jahre später wurde das Gut, längst im Besitz neuer Herren, als Strafe für eine Beteiligung an einem Aufstand zuerst enteignet, dann in drei separate Besitztümer geteilt: das Neudeggerlehen mit dem gleichnamigen Gutshof, den Oberhof und die Umgebung der Ulrichskapelle. Die Bezirksteile Neubau und Schottenfeld waren Teil dieser Ländereien. Ende des 16. Jahrhunderts erreichte die widerständige Reformationsbewegung St. Ulrich. Der Oberhof wurde der wichtigste evangelische Hotspot außerhalb der Stadt Wien: Obwohl die Gegenreformation bereits in vollem Gange war, ließ der Gutsbesitzer Johann Pacheleb weiterhin lutherische Gottesdienste abhalten, auch der evangelische Schulmeister Cosmas Trinkl unterrichtete unter seinem Schutz weiter.

Die Kaiser Ferdinand II. und Ferdinand III. waren hier erbarmungslos am Werk. Der Gutsbesitzer wurde verbannt, der Lehrer ausgewiesen. Der drangsalierten Bevölkerung blieb nur, zum Katholizismus zurückzukehren oder mit nichts als dem nackten Leben auszuwandern. Als Zeichen des Sieges des Katholizismus wurde die Ulrichskirche schließlich vergrößert – Platz dafür war wenig, rund um die Kirche standen seit Jahrhunderten Häuser. Deswegen baute man die neue Barockkirche einfach quer zum früheren Grundriss. Am Ende ist nun der Altar, der in katholischen Gotteshäusern traditionell nach Osten gewandt ist, im Süden der Kirche zu finden.

Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein wurden täglich bis zu 14 Messen gelesen. Das war auch notwendig, hatte man doch weder Antibiotika noch wissenschaftliche Erklärungen für diverse Unglücksfälle des Lebens zur Hand. Die vielen Seitenaltäre und Dankestafeln zeugen heute noch von diesen Bitten und Hoffnungen der Menschen aus St. Ulrich.

Quelle: Bezirksmuseum Neubau, Sammlung Otto Zeissenberger. Text: Bezirksmuseum Neubau (Ulrichskirche von der Burggasse aus)

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