Chronik

Am 10. Januar 1808 eröffnete ein als Militärzulieferer sehr reich gewordener Bandagenfabrikant einen unendlich prächtigen Tanzsaal im Schottenfeld. Der Eintritt betrug 25 Gulden, nach heutigem Wert etwa 650 €. Am sogenannten Brillantengrund hatte man ja Geld und zählte mit Stolz zum gehobenen Bürgertum. Erst knapp 80 Jahre später wurde dann auch „dem Volk" auf Betreiben von Bürgermeister Eduard Uhl die Möglichkeit des Duschens und Badens eröffnet – gab es doch in den meisten Arbeiter:innenwohnungen weder Badezimmer noch Fließwasser, bis auf die Bassena. Das erste Wiener Probe-Tröpferlbad stand ab 1887 – natürlich im 7. Bezirk.

Ein Zeitungsbericht aus dem Jahr 1808 beschreibt die Eröffnung des an der Mariahilfer Straße in der Zieglergasse neu erbauten Apollo-Saals in höchsten Tönen: Der von Mechaniker Wolffsohn erbaute Saal habe sich zu einer Sehenswürdigkeit erhoben und erschöpfe „alle Forderungen an die Natur und Kunst, alle Schönheit und Pracht". Die ausgezeichnete Musik, die künstlichen Wasserfälle, die Anmut des Gartens und die Täuschung der kunstvoll dekorierten Rosenallee ergötzten Tanz-, Natur- und Kunstliebhaber gleichermaßen.

Der Apollosaal befand sich in einem unscheinbaren einstöckigen Gebäude mit breiter Gassenfront, war jedoch überaus prächtig ausgestattet – allein die Silbergedecke und Leuchter wären heute nahezu 1,5 Milliarden Euro wert. Kerzenschneuzer kürzten regelmäßig die Dochte von fast 5.000 Wachskerzen auf drei Ebenen. Häufig waren es fast 8.000 Personen, die sich an Teichen mit Schwänen, Grotten und Wasserfällen erfreuten. Zu ebener Erde befand sich der 80 Schritt (ca. 55 m) lange Tanzsaal mit Perlenlustern, Spiegeln, Wandgemälden, Statuen und lebenden Bäumen, das bis zu 60 Mann starke Orchester war inmitten künstlicher Felsen drapiert.

Ab 1811 brach eine veritable Finanzkrise aus, die Bancozettel wurden auf 10 % entwertet, und Wolffsohn musste schließlich Konkurs anmelden. 1819 erstand ein Zuckerbäcker aus Wien den Saal und machte ihn nach dem Wiener Kongress zum Schauplatz großartiger Festivitäten. 1838 fand sich der Apollosaal im Besitz des Matthias Lichtenberg wieder, ein Jahr später verkaufte er ihn an die erste Österreichische Seifensieder-Gewerks-Gesellschaft weiter – fortan firmierte hier die hochmoderne Apollo-Kerzenfabrik in den adaptierten Prunkräumen. 1876 brannte der gesamte Komplex ab, die Brandruine wurde geschleift und es entstanden mehrere Miethäuser auf dem Areal.

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