Chronik
Museumstraße 5: Das 1911 von Rudolf Erdös (stammte aus einer jüdischen Familie und wurde auf dem Gebiet der heutigen Slowakei geboren) neu erbaute Haus ist ein monumentaler späthistorischer Straßenhof mit reicher Gliederung (Risalite, Giebel, Gitterbalkone) und üppigem Fassadendekor in den Formen des französischen Rokoko. Der Bau zeichnet sich aus durch seine giebelbekrönte Ecklösung mit Hermen, Putti und die bekrönende Monumentalplastik eines weiblichen Genius auf einem Adler von Albert Frankl. Sein breit geschwungenes Gittertor wird von Kandelaber-Säulen umrahmt. Innen befinden sich mehrere stuckierte Foyers, in den Stiegenhäusern prangen ornamentale Glasfenster.
Hier befand sich die Redaktion der kulturpolitischen Zeitschrift „FORVM". 1954 wurde die Zeitschrift von Friedrich Torberg gegründet und aus Mitteln des „Kongresses für kulturelle Freiheit" finanziert, einer Vorfeldorganisation des CIA. Friedrich Torberg, eigentlich Friedrich Ephraim Kantor, konnte vor den Nazis nach Amerika fliehen, nahm dort die amerikanische Staatsbürgerschaft an und kehrte 1951 nach Wien zurück. Torberg war ein derart rigider Antikommunist, dass es schließlich sogar den Amerikanern zu viel wurde – sie stoppten die Finanzierung. Nach Torberg übernahm 1964 Günther Nenning die Herausgeberschaft unter dem Namen NEUES FORVM.
An der Stelle des heutigen, im Jahre 1910 erbauten Eckhauses stand einst das Spaliermacherhaus. In diesem Haus Ecke Neustiftgasse–Museumsstraße befand sich das seit 1806 erwähnte Kaffeehaus Eichhorn, in dem französische Offiziere am Dreikönigstag 1810 einen Exzess verursachten. 1840 erwarb der Kaffeesieder Albert Weghuber das Lokal, das er als elegantes Sommerkaffeehaus einrichtete. 1860 legte er einen Garten an, in welchem er fast täglich Konzerte und wöchentlich große Feste veranstaltete. Der Garten erstrahlte im Licht bengalischer Feuer, erhellte die Nacht, und die Musik ertönte bis in die Morgenstunden. Hier spielten alle Größen des Wiener Walzers: Lanner und Strauß, Drahanek und Morelly.
Bereits 1865 ging Weghuber in Konkurs, und das Kaffeehaus wurde verkauft. Den Garten erwarb die Gemeinde Wien als öffentlichen Raum, der als Weghuberpark bis zur Erbauung des Volkstheaters 1889 bestand. Nachdem das Haus 1910 niedergerissen worden war, entstand 1911 an derselben Stelle im neu erbauten Gebäude wieder ein Kaffeehaus Weghuber. 1934 planten die Nationalsozialisten einen Putsch. Im Café Weghuber informierte der Polizeibeamte Dobler den Sekretär des Wiener Heimatschutzes Karl Mahrer über die bevorstehende Aktion – der Putsch konnte verhindert werden.
Text: Bezirksmuseum Neubau

