Chronik

Die älteste Siedlung im Bereich des heutigen Bezirks war das Dorf Zeismannsbrunn. Seit 1302 heißt die Siedlung aber nach dem Patron der Kirche St. Ulrich. St. Ulrich war die wichtigste Hochburg des Protestantismus in Wien. 1693 wurde der westliche Teil von St. Ulrich von der Grundherrschaft als eigenständiger Ort Neubau abgetrennt. Etwas weiter westlich befand sich eine Siedlung im Besitz des Schottenstiftes, die Neustift genannt wurde. Ebenfalls etwas außerhalb befand sich das Schottenfeld, früher auch: oberes Neustift, das wegen seiner Industrie und des daraus folgenden Reichtums auch als Brillantengrund bzw. Seidengrund bezeichnet wurde – die Seidengasse erinnert daran. Dagegen hatte der Spittelberg, früher Spitalberg, einen denkbar schlechten Ruf: Die sehr enge Bebauung war der Gesundheit nicht förderlich, außerdem war die Siedlung eine Hochburg der Prostitution. Heute ist dieser Stadtteil Beispiel für eine Luxussanierung.

1848/1849 wurde die feudale Grundherrschaft in Österreich aufgelöst. Die heute den Bezirk Neubau bildenden Wiener Vorstädte wurden 1849 dem Wiener Gemeinderat unterstellt und 1850 als 6. Bezirk mit dem Namen Neubau formell nach Wien eingemeindet. Nach der Teilung Wiedens im Jahr 1861 wurde Neubau zum 7. Bezirk, ein Jahr später wurden die Bezirksgrenzen neu gezogen, wodurch kleine Teile der ehemaligen Vorstädte Mariahilf, Laimgrube und Altlerchenfeld zum 7. Bezirk kamen. Durch das Landesgesetz vom 28. Dezember 1904 wurde die westliche Bezirksgrenze an die Gürtelstraße verlegt. Die letzten beiden Änderungen der Bezirksgrenzen erfolgten 1995 im Bereich des Lerchenfelder Gürtels und 1996 im Bereich des Europaplatzes vor dem Westbahnhof.

Mit der Blüte des österreichischen Stummfilms zwischen 1918 und 1923 entwickelten sich die Neubaugasse und angrenzende Straßen zum Filmviertel, wo fast alle in Wien im Film tätigen Unternehmen ihren Sitz oder zumindest eine Niederlassung hatten – Filmverleih, Filmproduzent, Filmanwalt, Filmbuchhandlung, Filmcafé oder Filmzulieferer, je näher an der Mariahilfer Straße, umso eher. Erst mit dem „Anschluss" an Deutschland und der darauffolgenden starken Veränderung der zuvor mehrheitlich jüdisch dominierten Filmbranche dürfte die Geschichte des Filmviertels ein Ende genommen haben.

1943/1944 wurden in Wien zur Fliegerabwehr mehrere Flaktürme errichtet, unter anderen der Gefechtsturm in der Stiftskaserne, der von der Altstadt aus hinter dem Museumsquartier gut zu sehen ist und heute unter Denkmalschutz steht. Mit der 2001 erfolgten Eröffnung des Museumsquartiers erhielt der Bezirk eine über Österreich hinaus bekannte kulturelle Attraktion mit starker Publikumsfrequenz – das MQ zählt zu den größten zehn Kulturarealen Europas. Der Neubau war bereits vor der Bezirksgründung 1850 sehr dicht besiedelt, weshalb im Bezirksgebiet 1869 80.043 Einwohner lebten, ein Wert, der nie wieder übertroffen wurde. Seit den 1980er Jahren hat sich die Bevölkerungszahl stabilisiert und liegt 2015 bei 31.222 Einwohnern.

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