Chronik

Um 1700 gründete der ambitionierte junge Priester Mechitar aus Armenien einen neuen Orden, der sich der geistlichen Bildung und der Wissenschaft verschrieb. Der heilige Antonius, der auch wegen seines „energischen Widerstandes gegen alle Versuchungen" verehrt wurde, war sein Vorbild. Der neue Orden war für den Geschmack des armenischen Patriarchen zu katholisch, und Mechitar migrierte nach Methoni auf der Peloponnes. Als dort 1714 ein Krieg ausbrach, flüchteten die Mönche nach Venedig, wo sie bis heute ein großes Kloster samt Schulen betreiben.

1773 gab es einen internen Disput über die Ordensregeln, und eine Gruppe von Mechitaristen etablierte einen neuen Ordenszweig, der sich vorerst im habsburgischen Triest ansiedelte. Im Jahr 2000 vereinigten sich die beiden Zweige übrigens wieder. Maria Theresia genehmigte den Bau eines Klosters mit Kirche und Druckerei in Triest. Als 1805 Napoleon einmarschierte, vertrieb er die schwarzgekleideten, bärtigen Mönche aus Italien, und so mussten diese 1810 in Wien um Asyl bitten.

Kaiser Franz, der in Italien aufgewachsen und von seinem Onkel Joseph II., dem Reformkaiser, als Nachfolger ausgebildet worden war, überließ den Mönchen das 1784 von Joseph II. aufgehobene und daher leerstehende Kapuzinerkloster „am Platzl" nächst St. Ulrich. Am 18. Februar 1811 zogen die Mechitaristen mit ihrem Abt Erzbischof Babikian unter großen Feierlichkeiten in das Kloster ein und benannten die Kirche „Maria Schutz". Als 1835 ein Brand das alte Kapuzinerkloster zerstörte, wurde nach Plänen des Architekten Joseph Kornhäusel neu gebaut. Das Hochaltarbild stammt von Camillo Sitte, ein anderes Altarbild von Theophil von Hansen.

Ein besonderes Bild findet sich in der nach Osten gerichteten Loretokapelle: das barocke Gnadenbild „Muttergottes mit der Rose". Dieses Bild wurde 1683 vor den Osmanen gerettet, die gleich nebenan, in der Ulrichskirche, ihren besten Aussichtsturm gefunden hatten. In der Mechitaristenkongregation findet man bis heute Geistiges und Geistliches: die weltweit einzigartige Sammlung armenischer Schriften, Münzen und Volkskunst sowie den wunderbaren Klosterlikör namens Mechitharine.

Text: Monika Grussmann, Museumsleiterin BM7. Quellen: Kirche und Kloster – Die Wiener Mechitaristen Kongregation, Sammlung des Bezirksmuseums Neubau.

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