Chronik
Das Flottenvereinskino wurde 1913 gegründet. Die ursprüngliche Platzzahl wurde noch vor der Eröffnung des neuen Mariahilfer Kinos mit 797 Plätzen festgelegt. 1922 waren rund 800 Personen im Saal erlaubt, 1934 reduzierte sich die erlaubte Besucherzahl erneut auf 780 Personen. Kinoeigentümer war von 1913 bis 1928 der Architekt Julius Goldschläger, die Konzession für das Kino lag von 1913 bis 1926 beim „Österreichischen Flottenverein".
Während des Ersten Weltkriegs wurde das Gebäude als Spital für verwundete Soldaten genutzt, sodass der Notausgang des Kinos, welcher Richtung Esterházygasse zeigte, in dieser Zeit als Eingang für das Spital verwendet wurde. 1921 erhielt das Kino im Tiefparterre des Gebäudes einen eigenen Kaffeehausbetrieb, ab 1928 pachtete die Kommanditgesellschaft Holzer & Sekyra das Kino. In den Jahren 1936 und 1937 wurde das Kino an Sonntagen mehrmals von der „Fachgruppe für technische Volksbildung" für Sonderveranstaltungen gemietet.
In den Fünfzigerjahren wurde das Kino, das zu diesem Zeitpunkt der „Kiba" Kinobetriebsanstalt Gesellschaft m.b.H. gehörte, von Robert Kotas umgestaltet und am 10. September 1953 unter Anwesenheit des damaligen Präsidenten der KIBA, Stadtrat Josef Afritsch, feierlich eröffnet. Kotas hatte, so die Presseberichte zur Neueröffnung, besonders auf die Klangwirkung und auf bequeme Sitzgelegenheiten Bedacht genommen sowie die Front des Kinos und das Foyer mit dem Büffet modernisiert. Das „Flotten Kino" hatte nun eine moderne Klima- und Beheizungsanlage. Darüber hinaus wurde die Bar, die zum alten Kino gehört hatte, mit ihren 250 Plätzen zur ersten Wiener „Kulturfilmbühne" umgewandelt.
Bis zuletzt zählte das Flotten Kino zu den anspruchsvollsten Kinos der Stadt. 1974 wurde es von der Kiba völlig neu gestaltet und als „Flotten-Center" zu einem der ersten Mehrsaalkinos. Es konnte jedoch zuletzt gegenüber Künstlerhauskino, Urania-Kino oder Stadtkino nicht mehr bestehen. 2002 wurde das „Kinocenter" mit einer Vorstellung von Peter Bogdanovics „Die letzte Vorstellung" geschlossen und das Kino nach knapp 80 Jahren mit einer „Leichenfeier" verabschiedet. Heute befinden sich dort je eine Filiale von „Hofer" und „Mac Donald's" sowie das Gesundheitszentrum Wien-Mariahilf der Wiener Gebietskrankenkasse.

