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Zwischenkriegszeit, NS-Diktatur, Zweiter Weltkrieg
Nach dem Weltkrieg bildeten sich Bürger- und Schutzwehren gegen Einbrüche. Durch den kommunalen Wohnbau mischten sich Villen- und Arbeiterviertel. 1935 wurde der Pötzleinsdorfer Schlosspark für die Bevölkerung zugänglich gemacht. Nach dem „Anschluss" beging der Schriftsteller Egon Friedell in seiner Währinger Wohnung vor seiner drohenden Verhaftung durch die SA Selbstmord. Während der „Reichskristallnacht" wurden zahlreiche jüdische Geschäfte geplündert, das jüdische Bethaus in der Schopenhauerstraße 39 in Brand gesteckt. Während des Bombenkrieges wurden um 7 % der Wohnungen beschädigt. Am 17. November 1944 kam es zu zahlreichen Zeitzünderexplosionen, besonders in der Martinstraße und der Sternwartestraße. Das Haus der Barmherzigkeit erhielt einen Volltreffer mit rund 60 Toten.
Zweite Republik
Am 8. April marschierte die Rote Armee in Währing ein und traf auf keinen Widerstand. Währing wurde zur amerikanischen Besatzungszone. 1951 war der Vorkriegsstand an Wohnungen wieder erreicht. Im Pötzleinsdorfer Schloss wurde 1950 ein Jugendgästehaus eingerichtet, dem folgte 1983 die Rudolf-Steiner-Schule. 1963 wurde das Wirtschaftsförderungsinstitut (WIFI) eröffnet. Im Zuge einer Volksbefragung 1973 wurde die Verbauung des Sternwarteparks abgelehnt. 1974 kam es zur Wiedereröffnung des lange Jahre baufälligen Schafbergbades. 1985–1989 wurde die Stadtbahn auf U-Bahn-Betrieb umgestellt. Der Gertrudplatz und das Gersthofer Platzl wurden 1986 neu gestaltet. Die 1987 wiedereröffnete Vorortelinie sorgte für eine verbesserte Verkehrsanbindung im Westen Wiens. 1991 bezog das Institut für Publizistik der Universität Wien das Institutsgebäude in der Schopenhauerstraße. In den Jahren 2004/05 wurde die Schubert-Park-Garage neu eröffnet und der Schubertpark umgestaltet.
Wirtschaftsgeschichte
Die Vorortezone wurde lange Zeit für den Weinbau genutzt. 1839 errichtete Konrad Dreher eine Brauerei, die mehrmals den Besitzer wechselte. Das Gelände der Brauerei reichte von der Schulgasse bis zur Währinger Straße. Sie stellte 1910 ihren Betrieb ein.
1847 eröffnete Jakob Gerlach eine Gerberei, die 1860 zu einer Lederfabrik umgewandelt wurde und 1880 als erste Lederfabrik in Europa auf maschinellen Betrieb umstellte. Sie übersiedelte um 1890 nach Stadlau.
Im Jahr 1865 gründete Karl Meller eine Ofenfabrik, 1884 Karl Schmoll eine Schuhcremefabrik, die bis nach 1945 bestand.
Bauliche Gestalt
Um 1590 wurde ein schlossartiger Freihof am Gelände des späteren Pötzleinsdorfer Schloss errichtet, der im Dreißigjährigen Krieg verwüstet wurde. Im 18. Jahrhundert errichtete 1762 Baron Fabius Ricci ein Schloss. Danach kam es 1781 in den Besitz von Gräfin Herberstein, 1797 des Bankiers Johann Heinrich Geymüller. Es entstand Schloss und Park Pötzleinsdorf. Für die Bebauung blieb auch noch im 19. Jahrhundert die Funktion als Sommerfrische bestimmend. Neben den Villen setzte erst spät die gründerzeitliche Verbauung ein. Das lag auch daran, dass die Währinger Straße keine Ausfallsstraße war, sondern lediglich die Vororte des späteren Bezirks verband. Die Gründerzeitverbauung drang im Norden nur bis zur Gymnasiumstraße vor, im Süden jedoch bis zur Vorortelinie. Die Villenverbauung wurde durch die Gründung des „Wiener Cottage-Vereins" im Jahr 1872 in der Zone zwischen Sternwartestraße und Gymnasiumstraße sowie Haizingergasse und Cottagegasse vorangetrieben. Insgesamt entstanden in weiterer Folge rund 450 Villen im Bezirk. Der Versuch, den Genossenschaftsbau anzuregen, scheiterte jedoch. 1908–1910 wurde die Semmelweisklinik errichtet. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die alten Friedhöfe – Währinger Allgemeiner Friedhof, Währinger Ortsfriedhof – in Parkanlagen umgewandelt. Es entstanden nun auch einige kommunale Wohnbauten und Spitäler wie das Orthopädische Krankenhaus der Stadt Wien. Die ersten Währinger Gemeindebauten waren der Lindenhof und der Pfannenstielhof. Insgesamt blieb auch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts der bürgerliche Charakter des Bezirks in der Baustruktur sehr präsent.
Quelle: geschichtewiki.wien.gv.at

