Chronik
Mitten in Währing befand sich im 19. Jahrhundert eines der bekanntesten Vorstadtbrauhäuser Wiens. Wo heute Wohnhäuser stehen, wurde einst Bier gebraut, gelagert und ausgeschenkt. Seine Geschichte zeigt den Wandel Währings von einer ländlichen Vorstadt zu einem dicht besiedelten Bezirk.
Den Grundstein legten Konrad und Theresia Dreher, die 1839 zwei Grundstücke an der heutigen Gentzgasse erwarben. Auf dem Areal einer ehemaligen Sommerresidenz begann bereits 1840 der Braubetrieb. Zunächst leitete Eduard Alexander Hangleithner die Brauerei, später übernahm Konrad Dreher selbst die Führung.
Ein wichtiger Standortvorteil war der Währinger Bach, dessen sauberes Wasser für die Bierherstellung genutzt wurde. Dreher erweiterte den Besitz laufend und kaufte zusätzliche Grundstücke, darunter ein ehemaliges Halterhaus beim damaligen Ortsfriedhof und angrenzende Weingärten. Selbst nachdem der Bach später überwölbt wurde, blieb das Nutzungsrecht für das Wasser erhalten – ein bedeutender Vorteil für die Brauerei.
Die wirtschaftliche Situation entwickelte sich jedoch schwierig. Bereits Mitte der 1840er-Jahre geriet Dreher in finanzielle Probleme, die schließlich zum Konkurs führten. Das Brauhaus wurde aus der Konkursmasse verkauft und ging an Eduard Alexander Hangleithner über. Unter seiner Führung wurde der Betrieb modernisiert und erweitert. Neue Kelleranlagen und zusätzliche Gebäude sorgten dafür, dass die Produktion deutlich gesteigert werden konnte.
Ab 1859 begann mit Carl Wilhelm Schwarz eine neue Phase. Er übernahm das damals eher kleine Landbrauhaus und setzte auf technische Modernisierung. Besonders wichtig war die Umstellung auf sogenanntes Abzugbier, das andere Lager- und Kühlmöglichkeiten erforderte. Dafür entstanden große Keller- und Eisräume, die vom bekannten Baumeister Peter Gerl errichtet wurden. In den folgenden Jahrzehnten wurde nahezu ständig gebaut: Das Sudhaus wurde vergrößert, eine neue Mälzerei errichtet und auch die Gastwirtschaft erweitert. Der Biergarten reichte schließlich bis zur heutigen Haizingergasse.
Trotz aller Investitionen blieb die Währinger Brauerei im Vergleich zu den großen Wiener Betrieben eher klein. Dennoch erreichte sie in den 1870er-Jahren einen beachtlichen Ausstoß von rund 80.000 Hektolitern jährlich. Das Bier wurde vor allem in den Vororten Wiens geschätzt und verkauft. Nach dem Tod von Carl Wilhelm Schwarz führten sein Sohn Ludwig Schwarz und der Schwiegersohn Josef Wünsch den Betrieb weiter.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts verschlechterte sich jedoch das Verhältnis zur Umgebung zunehmend. Währing entwickelte sich zu einem beliebten Wohnbezirk, insbesondere das nahe Cottageviertel galt als vornehm und ruhig. Die Brauerei passte immer weniger in dieses neue Stadtbild. Mehrere Brände verstärkten die Sorgen der Bevölkerung, zusätzlich klagten Anrainer über Rauch und unangenehme Gerüche. Zwischen der Gemeinde Wien und den Eigentümern kam es immer wieder zu Streitigkeiten über Sicherheitsmaßnahmen und Emissionen.
Obwohl technische Verbesserungen eingebaut wurden, blieb die Brauerei umstritten. Schließlich entschied man sich 1907 zur Aufgabe des Standorts. Die Produktion wurde eingestellt und der Betrieb an die Brunner Brauerei verkauft. Kurz darauf begann der Abbruch der Brauereigebäude. An ihrer Stelle entstanden Wohnhäuser, die das heutige Erscheinungsbild des Viertels prägen. Nur die Gastwirtschaft bestand noch einige Jahrzehnte weiter und erinnerte an die frühere Brautradition. Heute ist vom Währinger Brauhaus kaum noch etwas erhalten. Dennoch bleibt es ein bedeutendes Beispiel für das Zusammenspiel von Industrie, Stadtentwicklung und Alltagsleben in Wien.
Quelle: geschichtewiki.wien.gv.at

