Chronik
Das Czartoryski-Schlössel war ein bedeutendes Palais im heutigen Währing. Es befand sich an der Währinger Straße 175–181 und prägte über viele Jahrzehnte das kulturelle Leben des Bezirks. Seinen Namen erhielt das Gebäude von der polnischen Adelsfamilie Czartoryski, die das Anwesen im 19. Jahrhundert erwarb und bis 1912 besaß. Nach einer wechselvollen Geschichte wurde das Schlössel 1957 abgetragen.
Die Ursprünge des Anwesens reichen in die Mitte des 18. Jahrhunderts zurück. Auf dem Gelände stand zunächst die Villa des Hofjuweliers Josef Friedrich Schwab. Anfang des 19. Jahrhunderts gelangte der Besitz an den Bankier Jakob Friedrich van der Nüll, der das Gebäude umfassend umbauen ließ. Dabei entstand ein repräsentatives Palais im Empire-Stil, das nicht nur als Wohnsitz diente, sondern auch Platz für umfangreiche Sammlungen bot.
Nach mehreren Eigentümerwechseln kam das Palais in den Besitz des Fürsten Konstantin Adam Czartoryski. Unter seiner Führung entwickelte sich das Haus zu einem angesehenen Treffpunkt für Kunst- und Musikliebhaber. Die wertvollen Kunstsammlungen des Fürsten konnten von der Öffentlichkeit besichtigt werden, während Konzerte und kulturelle Veranstaltungen zahlreiche Gäste anzogen. Bedeutende Künstler und Musiker ihrer Zeit waren hier zu Gast. Zudem verfügte das Schlössel über ein eigenes Theater, in dem Werke europäischer Dramatiker aufgeführt wurden.
Die nachfolgenden Generationen der Familie Czartoryski engagierten sich ebenfalls für das kulturelle Leben Wiens. Dennoch verfiel das Gebäude gegen Ende des 19. Jahrhunderts zunehmend, da notwendige Erhaltungsmaßnahmen ausblieben. Ein Teil der Kunstschätze wurde schließlich auf den galizischen Familiensitz verlagert. Kurz vor dem Verkauf des Anwesens an die Stadt Wien wurden wertvolle Ausstattungsstücke abgebaut und gesichert. Nach dem Erwerb durch die Stadt änderte sich die Nutzung grundlegend. Ursprünglich geplante Bauprojekte wurden durch den Ersten Weltkrieg verhindert. In den 1920er-Jahren entstand im ehemaligen Palais ein Volksheim, das für Bildungs- und Kulturveranstaltungen genutzt wurde. Die frühere Schlosskapelle wurde dabei in einen Festsaal umgewandelt. Während des Zweiten Weltkriegs diente das Gebäude als Luftschutzunterkunft. Kriegsschäden und Brände verschlechterten seinen Zustand zusätzlich. Da eine umfassende Restaurierung als wirtschaftlich nicht vertretbar galt, entschied man sich in den 1950er-Jahren für den Abbruch. Auf dem Gelände entstand anschließend eine Schule für körperbehinderte Kinder, die später nach dem Pädagogen Hans Radl benannt wurde.
Architektonisch zeichnete sich das Czartoryski-Schlössel durch seine hufeisenförmige Anlage mit einem Ehrenhof zur Währinger Straße aus. Hinter dem Palais erstreckte sich ein großzügiger englischer Landschaftsgarten. Besonders markant war die Gartenfassade mit ihrem säulengeschmückten Portikus. Trotz seines Verlustes gilt das Czartoryski-Schlössel bis heute als eines der bemerkenswerten historischen Palais Währings.

