Chronik

Gertrudplatz, 1180 Wien
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Es begann nicht mit barockem Prunk. Im Jahr 1213 stand hier, umgeben von Weinhügeln und tiefem Wald, kaum mehr als eine schlichte Holzkapelle – ein Außenposten der Mönche aus Michaelbeuern. Jahrhunderte zogen ins Land: Kriege, Brände, Pestilenz zogen an den Mauern vorüber, bis im Frühjahr 1753 die Baugerüste fielen und St. Gertrud im vollen Glanz des Spätbarocks erstrahlte – mit dem Laurentiusaltar von Peter Strudel und der Kreuzigungsgruppe von Martin Fischer.

Bis in die 1920er-Jahre hinein drängten sich vor der Kirche die hölzernen Marktstände des Gertrudplatzes: Körbe voll frischem Gemüse, Blumen und Obst direkt vor den Kirchenstufen. Die Menschen kauften ein, huschten für ein kurzes Gebet hinein, zündeten eine Kerze vor der Mariazeller Muttergottes an – und eilten zurück ins Getümmel. Doch Währing wuchs unaufhaltsam, und die alte Kirche wurde zu klein.

In den 1930er-Jahren wagte die Gemeinde das Unerhörte: einen radikalen Umbau. Die Kirche drehte ihre Ausrichtung und brach aus der alten Enge aus. Der barocke Kern blieb erhalten, doch darum herum wuchsen die klaren, modernen Linien der Zwischenkriegszeit – und mit ihnen die großen Fenster von Heinrich Tahedl und Leopold Forstner, in Farben, die es im Barock noch gar nicht gab.

Mehr als 800 Jahre Währinger Geschichte in einem einzigen Raum. Wer heute eintritt und den Blick zum Chorgewölbe hebt, spürt das Fundament dieses Bezirks.

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