Chronik
Das Café Währingerhof am heutigen Aumannplatz 1, historisch oft der Adresse Währinger Straße 162 oder den damaligen Konskriptionsnummern zugeordnet, war um die Jahrhundertwende ein klassisches, bürgerliches Wiener Vorstadtkaffeehaus.
Es hatte eine durchaus prominente Gästeliste. Der berühmte Wiener Dramatiker Arthur Schnitzler gehörte zu den Gästen. In seinen penibel geführten Tagebüchern sind zwei Aufenthalte im Jahr 1930, konkret am Montag, den 14. April, und Montag, den 21. April 1930, namentlich im Café Währingerhof nachgewiesen. Schnitzler schätzte die Wiener Kaffeehauskultur als erweitertes Wohnzimmer und Arbeitsort, weshalb der Währingerhof fest im historischen Netzwerk „Wiener Schnitzler – Schnitzlers Wien" verankert ist.
Das Kaffeehaus war über die Jahrzehnte hinweg im Besitz namhafter Wiener Kaffeesieder:
- Josef Hauenschild: Unter seiner Führung war das Lokal im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert eine feste Institution für die Währinger Bevölkerung. Aus dieser Zeit existieren noch historische Fotografien und Postkarten, die das elegante Ecklokal mit typischen Markisen zeigen.
- Ehepaar Gritsch: In einer späteren Phase übernahm die Familie Gritsch den Betrieb und führte die Tradition des klassischen Kaffeehauses fort, bevor das Gebäude schließlich an die Creditanstalt-Bankverein übertragen und komplett zur Bankfiliale umgebaut wurde.
Zu Zeiten des Währingerhofs bot das Lokal alles, was man von einem echten Wiener Kaffeehaus erwartete: Marmortische, Thonet-Stühle, eine große Auswahl an in- und ausländischen Tageszeitungen sowie klassischen Wiener Kaffee und Mehlspeisen. Es diente den Bürgern des damals noch eigenständigen bzw. frisch eingemeindeten Bezirks Währing als politischer, gesellschaftlicher und kultureller Debattierclub.
Nach dem Ende des Cafés Währingerhof zog die Creditanstalt-Bankverein in das Gebäude am Aumannplatz 1 ein. Die traditionsreiche Creditanstalt übernahm das markante Eckgebäude und baute es tiefgreifend zu einer modernen Bankfiliale um. In dieser Ära wurde die massive Infrastruktur im Untergeschoss errichtet. Ein schwerer Panzerschrank und Schließfachanlagen prägten fortan das Fundament des Hauses. Die Bankfiliale war bis in die 1990er-Jahre aktiv. Nach der Fusionierung der österreichischen Bankenlandschaft und der Schließung der Filiale stand die Räumlichkeit zur Verfügung, bevor das heutige Café Restaurant Aumann einzog und die Kassenhalle sowie den Tresorraum revitalisierte.

