Chronik

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Das Orthopädische Krankenhaus Gersthof gehörte über Jahrzehnte zu den bedeutendsten medizinischen Spezialkliniken Wiens. Die Einrichtung befand sich an der Grenze der Bezirke Hernals und Währing und war insbesondere für ihre orthopädische Expertise weit über Österreich hinaus bekannt. Mit der Übersiedlung der letzten Abteilungen in das neu errichtete Krankenhaus Nord wurde der Betrieb im Mai 2019 endgültig eingestellt.

Architektonisch zählt das Gebäude zu den bemerkenswerten Krankenhausbauten der Zwischenkriegszeit. Entworfen wurde die Anlage von den Architekten Alfred Mautner und Johann Rothmüller. Der Bau vereint Elemente des späten Jugendstils mit Einflüssen des Art déco und des Expressionismus. Charakteristisch ist die repräsentative Hauptfassade mit Arkaden sowie die großzügige Gartenloggia sowie die seitlich angeordneten Pavillons. Auch im Inneren finden sich hochwertige Gestaltungselemente, darunter keramische Wandverkleidungen und kunstvolle Details aus der Entstehungszeit. Im Garten erinnert die Skulptur „Mutter und Kind" an die ursprüngliche Nutzung des Hauses.

Errichtet wurde das Gebäude zwischen 1924 und 1926 als Entbindungsanstalt für die Wiener Kaufmannschaft. Nach mehreren Eigentümerwechseln ging es in den Besitz der Stadt Wien über. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Haus zeitweise als Militärspital genutzt, bevor es wieder seinem ursprünglichen Zweck diente.

Mit dem Rückgang der Geburtenzahlen verlor die Entbindungsklinik jedoch zunehmend an Bedeutung. Ab den 1970er-Jahren begann eine schrittweise Neuausrichtung auf die Orthopädie. Zunächst wurden Betten für die orthopädische Universitätsklinik bereitgestellt, später entstanden eigenständige Fachabteilungen. Die gynäkologischen Bereiche wurden nach und nach aufgegeben, während sich das Krankenhaus zu einem hochspezialisierten Zentrum für die Behandlung von Erkrankungen und Verletzungen des Bewegungsapparates entwickelte.

Nach der Schließung des Krankenhauses erhielt das denkmalgeschützte Gebäude eine neue Perspektive. Im Rahmen einer umfassenden Sanierung wurde die historische Bausubstanz erhalten und für schulische Zwecke adaptiert. Seit Februar 2025 wird der ehemalige Krankenhauskomplex als moderner Bildungsstandort genutzt und damit beginnt ein neues Kapitel seiner Geschichte.

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