Chronik
Rodaun, ehemals selbständige Ortsgemeinde und Gassengruppendorf, wurde am 15. Oktober 1938 in den damaligen 25. Bezirk eingemeindet und ist seit 1946/1954 Teil des 23. Bezirks. Der Ort, am Austritt des Liesingbachs aus dem Wienerwald ins Wiener Becken gelegen, wird um 1170 als Radune, benannt nach einem slawischen Mädchennamen, erstmals erwähnt und ist, ebenso wie das benachbarte Liesing, slawischen Ursprungs. Die Herren von Rodaun, Angehörige eines bedeutenden babenbergischen Dienstmannengeschlechts, begleiteten Herzog Leopold V. 1190 auf seinem Kreuzzug und gründeten 1217 die Pfarre Inzersdorf. Im Spätmittelalter besaßen die Herrschaft mehrfach Wiener Ritterbürgerfamilien, beispielsweise 1379 bis 1489 die Würffel. Herrschaftssitz war die über dem Ort gelegene Burg, eine Sperrfeste des Liesingtals, das Rodauner Schloß. Die Türken verwüsteten 1529 Ort und Burg.
Unter den Freiherren von Landau, Herrschaftsinhaber 1591 bis 1620, entwickelte sich Rodaun zu einem Zentrum des Protestantismus, doch wurde der Ort im 17. Jahrhundert rekatholisiert. Nach den Zerstörungen während der Zweiten Türkenbelagerung 1683 wieder aufgebaut, entwickelte sich Rodaun im 18. Jahrhundert zu einem beliebten Aufenthaltsort des Adels, worauf die schwefel- und eisenhaltige Thermalquelle in der Ketzergasse einen wesentlichen Einfluss hatte.
Noch im 19. Jahrhundert spielte neben dem seit dem Mittelalter bestehenden Stein- und Erdabbau, Baumaterial für die Wiener Stadtbefestigung, vor allem die Landwirtschaft und Viehzucht, aber auch der Fremden- und Ausflugsverkehr eine wichtige Rolle, der durch die Eröffnung der Dampftramway von Hietzing über Mauer und Rodaun nach Mödling eine Belebung erfuhr. Zum Treffpunkt der besseren Gesellschaft entstand um die Jahrhundertwende, an der Stelle des früheren Bads, das Wirtshaus des Johann Stelzer.

