Chronik
1869 gründete Márk Pick in Szeged, Südostungarn, eine Salamifabrik. Er änderte die Rezeptur der italienischen Salami, wodurch die typische ungarische Salami entstand, von dort expandierte das Unternehmen in viele Länder Europas. 1922 wagte die Firma mit einer eigenen Produktion den Sprung nach Österreich: Moric Pick, geboren 1883 in Szeged, war Diplomingenieur, er und sein Bruder Jenő gründeten die Niederlassung in Alterlaa. Sie kauften ein 17.000 Quadratmeter großes Firmengrundstück im Bereich Mühlbreiten/Gregorygasse 35 und gründeten dort die Ungarische Salamifabrik Markus Pick & Co. Ges.m.b.H. Das Gebäude war die ehemalige k.u.k. Conservenfabrik R. Wagner & Comp., die 1851 gegründet und 1888 nach Alterlaa übersiedelt war. Moric Pick soll mit den Wurstmarken Pickfein und Vortrefflich neben dem zweiten Wiener Salamiproduzenten Josef Herz der Erfolgreichere gewesen sein.
1934 verließ Jenő Pick das Unternehmen und ging zurück nach Szeged. In Vorahnung des Kommenden emigrierten 1937 und 1938 die beiden Schwägerinnen von Moric Pick nach Paris, er selbst konnte nicht dazu bewegt werden, Österreich zu verlassen. Am 17. Mai 1938 wurde die Fabrik unter kommissarische Verwaltung gestellt, das Vermögen der Familie Pick wurde beschlagnahmt. Pick versuchte die Firma zu verkaufen und stand mit einer Schweizer Gruppe in Verbindung, was gegen die Interessen des Verwalters war, der eine Käuferin favorisierte, die Witwe eines getöteten NSDAP-Mitglieds. Pick widersetzte sich den Einschüchterungen und Drohungen und wurde unter fadenscheinigen Beschuldigungen verhaftet, selbst eine Intervention der ungarischen Regierung blieb ohne Erfolg.
Im August 1938 floh Irma Pick gemeinsam mit der Tochter Vera nach Szeged, im Dezember wurde der Betrieb in Alterlaa stillgelegt. 1939 kam Moric Pick frei und setzte sich in seine ungarische Heimat ab. Am 30. Oktober 1941 wurde das Fabriksgelände in Alterlaa versteigert. Im Sommer 1944 wurde Moric Pick von der SS in Szeged verhaftet und in das Lager Strasshof deportiert, am 29. November 1944 wurde die Familie nach Bergen-Belsen deportiert. Moric Pick starb dort am 17. Februar 1945, seine Frau und seine Tochter überlebten das Konzentrationslager und kehrten nach Szeged zurück. Irma Pick erhielt das Grundstück zurück und verkaufte es 1960 an die Stadt Wien, die dort ab 1962 eine Wohnhausanlage errichtete.
Quelle: © Liesinger Industriegeschichten, 2. Ausgabe

