Chronik

Hugo von Hofmannsthal sehnte sich nach einem Landhaus, um in Ruhe schreiben zu können. Ab 1900 bis zu seinem Tod 1929 wohnte er im sogenannten Fuchs-Schlössel in Rodaun, welches er mit modernen und historischen Möbeln, Kunstwerken und ausgewählten Objekten einrichtete. Unter welchen konkreten Umständen das Haus gefunden wurde, bleibt im Dunkeln, aus einem Brief Hofmannsthals an seine Schwiegermutter vom 23. Juni 1901 lässt sich schließen, wie beglückend dieser Fund gewesen sein muss. Das Haus in der damaligen Badgasse 5, heutige Ketzergasse 471, stand nicht zum Verkauf, Besitzerin war die verwitwete Baronin Malvine von Pollanetz, mit der Hofmannsthal im Herbst 1900 übereinkam, einen am 1. Mai 1901 beginnenden Mietvertrag abzuschließen.

Im Jahr 1900 hatte die eigenständige niederösterreichische Gemeinde Rodaun, gelegen etwa 15 km südwestlich von Wien, rund 200 Häuser, die 1300 Einwohner lebten vor allem vom Fremdenverkehr und vom Kleingewerbe. Die Entfernung nach Wien war beträchtlich: Man benötigte bis Hietzing eine halbe Stunde mit der Dampftramway, stieg dort in die Dampfstadtbahn um und fuhr nochmals mindestens zwanzig Minuten bis zur Station Karlsplatz. Die Distanz schützte den oft nervösen und rückzugsbedürftigen Autor vor Trubel und unliebsamen Überraschungsbesuchen, der hauptsächliche Grund für die Wahl dieses Wohnorts.

Vom Ort herkommend erfasst man mit einem Blick das direkt an der Straße liegende Anwesen: ein zweistöckiges barockes Haus mit Krüppelwalmdach und einer fünffenstrigen Straßenfront, das Hoftor wird von Pfeilern flankiert, die mit Blumenvasen geschmückt sind. Eine hohe Mauer verbindet es mit dem danebenliegenden Kavaliershäuschen, Stöckl genannt. Das Haus wird oft als Fuchs-Schlössel bezeichnet, da es Kaiserin Maria Theresia ihrer Erzieherin, Gräfin Fuchs, geschenkt haben soll – eine solche Verbindung lässt sich anhand der Grundbuchauszüge allerdings nicht verifizieren.

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