Chronik

1895 gelang es der Firma Khuner in Atzgersdorf bei Wien, ein Verfahren ausfindig zu machen, durch welches es ermöglicht wurde, aus dem bekanntlich sehr fettreichen Kern der Kokosnüsse ein für Genusszwecke vorzüglich geeignetes Fett herzustellen. Das Produkt wurde nach dem Namen des Erfinders Kunerol genannt und erlangte bald große volkswirtschaftliche Bedeutung: Einerseits ermöglichte es die Verwertung der enormen Mengen Kokosnüsse, die in den Tropen wild wachsen und früher überhaupt nicht gesammelt wurden, andererseits half es dem in ganz Europa herrschenden empfindlichen Mangel an tierischen Speisefetten wie Butter, Rindschmalz oder Schweinefett ab.

Innerhalb weniger Jahre erreichte das Kunerol solche Beliebtheit und Verbreitung, dass das Werk in Atzgersdorf bedeutend vergrößert werden musste und Zweigfabriken in Bremen, Odessa, Verona, Christiania (Oslo) und Philadelphia gegründet wurden. Sämtliche Fabriken beschäftigten über 2000 Beamte und Arbeiter und erzeugten 1910 mehr als 27 Millionen Kilogramm Kunerol – ein Quantum, das durch die Produktion des Jahres 1911 noch übertroffen werden sollte. Seine große Verbreitung verdankte das Kunerol nicht nur dem billigen Preis, sondern vor allem seinen hygienischen Vorzügen: Es galt nach dem Urteil ärztlicher Autoritäten als rein vegetabilisches Fett leichter verdaulich als die meisten anderen Speisefette und wurde wegen des angenehmen neutralen Geschmacks von den Konsumenten den tierischen Fetten vorgezogen.

Neben dem weißen Kunerol, das in Tabletten zu 1 und ½ kg erhältlich war, erzeugten die Kunerolwerke auch eine gelbe, geschmeidige Sorte, die sich besonders zur Bereitung von Bäckereien und Mehlspeisen eignete und unter der Bezeichnung Kunerol-Spezial in Würfel-Kartons zu ½ kg verkauft wurde.

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