Chronik

Atzgersdorf, ein Gassengruppendorf, wurde am 15. Oktober 1938 nach Wien eingemeindet, Teil des 25. Bezirks Liesing seit 1946/1954, seit 1. September 1954 Teil des 23. Bezirks. Atzgersdorf wird 1120/1130 erstmals urkundlich als Azichinstorf oder Aziehinstorf erwähnt, eine Ableitung vom Eigennamen Atzichi in Verbindung mit -dorf. Die Atzgersdorfer Kirche wird an der Wende des 13. zum 14. Jahrhunderts gegründet, das älteste Zentrum des Dorfs liegt um den Kirchenplatz, weist jedoch mit seiner Siedlungsform ins neunte Jahrhundert zurück. Die ersten sicheren Nachrichten bezeichnen Atzgersdorf als landesfürstliches Lehen, das 1411 gemeinsam mit Lainz, Speising und Liesing von Herzog Albrecht V. an die Brüder Peter und Alexius Gradner verliehen wurde. 1529 wurde Atzgersdorf von den Türken verwüstet.

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts breitete sich der Protestantismus aus, unter Rudolf II. setzte die Gegenreformation ein. Ferdinand III. verkaufte das Gut Atzgersdorf 1652 an seinen Hofkanzler Johann Mathias Prückelmayr Freiherr von Goldegg, der es den Jesuiten für das Konvikt St. Barbara überließ. 1683 wurde Atzgersdorf neuerlich von den Türken schwer in Mitleidenschaft gezogen, 1775 kam es durch Kauf an den Besitzer des benachbarten Gutes Erlaa, Georg Adam Fürst Starhemberg, womit auch der Herrschaftssitz nach Erlaa verlegt wurde. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde Atzgersdorf stark industrialisiert, wobei vor allem die mittelalterlichen Mühlen in Wasserkraft nutzende Fabriken umgewandelt wurden.

Am 25. Juni 1850 wurde Atzgersdorf als freie Gemeinde konstituiert, in den 1860er Jahren nahm der Ort eine rasante Entwicklung. In den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts kam es auch zu einem Aufblühen des Vereinswesens, etwa 1880 mit dem Atzgersdorfer Männergesang-Verein. Eine Typhusepidemie führte 1913 zum Anschluss an die Wiener Hochquellenwasserleitung. Am 1. Juli 1937 kam ein Teil von Atzgersdorf zwecks Erweiterung des dortigen Südwestfriedhofs an Meidling. Seit 1988 wird ein Atzgersdorfer Oktoberfest veranstaltet.

Darstellung der Fabrik des k.u.k. Hof-Brückenwaagen- und Maschinenfabrikanten C. Schember & Söhne in Atzgersdorf

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