Chronik
Die Liesinger Schleppbahn, auch Fabriksbahn genannt, war eine Industriebahn im Süden von Wien mit einer Spurweite von 1435 mm, die ab 1860 betrieben wurde. Sie umfasste in ihrer über 140-jährigen Betriebszeit mit ihren Verzweigungen insgesamt etwa 10 km, der letzte planmäßige Zug fuhr am 12. Dezember 2003. Die Bahn war ursprünglich als Anschlussbahn des Industriebetriebes Wagenmann und Seybel eingerichtet worden und verband dieses Werk mit der Südbahn beim Bahnhof Liesing, später wurde sie mehrfach erweitert und reichte zuletzt im Industriegebiet Liesing bis in die Nähe der späteren U-Bahn-Station Perfektastraße. Personenverkehr hatte die Schleppbahn Liesing nie.
Organisatorische Grundlage war ursprünglich ein Vertrag der teilnehmenden Unternehmen, später wurde dafür eine GmbH gegründet, die Schleppbahn Liesing Betriebsgesellschaft. Der Bahnbetrieb beruhte weitgehend auf Grundbuchseintragungen über gegenseitige Nutzungsrechte, sogenannte Servitute. 1920 beteiligte sich die HIAG, Holzverkohlungs-Industrie AG, an der Bahn, bis 1929 kamen die Metallwerke Liesing, die Automobilfabrik Perl und Gräf & Stift dazu. Während des Zweiten Weltkriegs verkaufte die damalige Eigentümerin Donau-Chemie eine Reihe von Liegenschaften an andere Unternehmen, die ebenfalls Kunden der Schleppbahn wurden.
1966 löste die Donau Chemie den Gesellschaftsvertrag aus dem Jahr 1944 auf, der Bahnbetrieb wurde auf Grundlage eines neuen Vertrages durch die Unternehmen Bruno Bischof, Boschan, Gräf & Stift, HIAG und das Straßenbauunternehmen STUAG übernommen – damit begann das Ende des nördlichen Astes der Schleppbahn. Ab 1. Oktober 1970 wurde der Betrieb im südlichen Ast mit der von den Wiener Gaswerken erworbenen Diesellokomotive LDH 420 durch die Österreichischen Bundesbahnen geführt. Der südliche Ast wurde bis 2003 verwendet, seine Gleise in den Jahren danach abgetragen, die Gleise im Bereich der Kreuzung Perfektastraße–Liesinger-Flur-Gasse erst 2007. Ausschlaggebend für das Ende des Betriebes war letztlich der starke Umsatzrückgang des Frachtaufkommens, hauptsächlich durch die Auflassung des Lagers des VOEST Stahlwarenhandels bedingt.

