Chronik
Die sogenannte Präsidentenvilla auf der Hohen Warte war über Jahrzehnte hinweg ein besonderer Ort der österreichischen Politikgeschichte. Das Gebäude mit der Adresse Hohe Warte 36 entstand Mitte des 19. Jahrhunderts und lag auf einem weitläufigen Grundstück von rund 10.000 Quadratmetern. Seine Geschichte ist jedoch nicht nur von repräsentativer Nutzung geprägt, sondern auch von Enteignung, Rückgabe und letztlich dem Verschwinden des Bauwerks. Ursprünglich befand sich die Villa im Besitz des jüdischen Ehepaares Alfred und Ella Götzl. Nach dem Anschluss Österreichs 1938 wurden sie verfolgt und mussten 1939 fliehen, ihr Eigentum wurde 1941 im Zuge der nationalsozialistischen Arisierung entzogen. Während des Zweiten Weltkriegs erlitt das Gebäude schwere Schäden. Erst 1950 erfolgte die Rückerstattung an Alfred Götzl und seine Tochter, da Ella Götzl inzwischen verstorben war.
Schon ein Jahr später wurde die Villa verkauft, renoviert und schließlich 1965 von der Republik Österreich erworben. In der Folge diente sie mehreren Bundespräsidenten als offizieller Wohnsitz, darunter Franz Jonas, Rudolf Kirchschläger, Kurt Waldheim und Thomas Klestil. Das österreichische Bezügegesetz sieht grundsätzlich eine Amtswohnung für das Staatsoberhaupt vor, alternativ werden Wohnkosten ersetzt. Mit dem Amtsantritt von Heinz Fischer änderte sich die Nutzung: Er blieb in seiner privaten Wohnung, während die Villa zunehmend verfiel. Die notwendigen Sanierungsmaßnahmen galten als zu kostspielig, daher entschied der Staat, die Liegenschaft zu verkaufen – 2007 wurde das Grundstück an ein Immobilienunternehmen veräußert, der genaue Preis blieb unter Verschluss.
Da kein Denkmalschutz bestand, wurde die Villa zwischen 2009 und 2010 abgetragen, an ihrer Stelle entstanden exklusive Wohnanlagen. Als Sommersitz des Bundespräsidenten dient hingegen bis heute das Jagdschloss Mürzsteg.

