Chronik
Das Gaswerk spielte eine wichtige Rolle in der Energieversorgung der nördlichen Wiener Vororte im 19. Jahrhundert. Errichtet wurde die Anlage 1856 auf einem Gelände, das zuvor von Ziegelöfen genutzt worden war. Betreiber war die Imperial-Continental-Gas-Association, ein Unternehmen mit Sitz in England, das sich auf die Versorgung europäischer Städte mit Leuchtgas spezialisiert hatte. Die Lage zwischen der heutigen Billrothstraße und der Gymnasiumstraße war strategisch gewählt: Von hier aus konnten sowohl Döbling als auch angrenzende Gemeinden effizient versorgt werden. Insgesamt standen 30 Retortenöfen zur Verfügung, in denen Kohle erhitzt wurde, um daraus Gas zu gewinnen; die entstehenden Gase wurden gesammelt, gereinigt und in vier großen Gasbehältern gespeichert, bevor sie in das Leitungsnetz eingespeist wurden.
In einer Zeit, in der elektrische Beleuchtung noch keine Rolle spielte, war Gas die wichtigste Energiequelle für Straßenlaternen, Haushalte und Gewerbebetriebe. Das Gaswerk Döbling trug somit wesentlich zur Modernisierung und Urbanisierung der Region bei. Gleichzeitig war der Betrieb jedoch auch mit Belastungen verbunden, etwa durch Gerüche und Emissionen, die für die Anwohner spürbar waren.
Mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts änderten sich die Rahmenbedingungen grundlegend: Die Stadt Wien begann, die Energieversorgung zu zentralisieren und in eigene Hände zu überführen. Als der Vertrag mit der Imperial-Continental-Gas-Association Ende 1911 auslief, wurde die Gasversorgung vollständig von den städtischen Gaswerken übernommen. Das Gaswerk Döbling verlor damit seine Bedeutung und wurde stillgelegt, nach der Schließung folgte der Abbruch der Anlage. Heute erinnert vor Ort kaum noch etwas an das einst bedeutende Industrieareal, dennoch bleibt das Gaswerk Döbling ein Beispiel für die frühe Phase der industriellen Energieversorgung in Wien und für den Wandel von privaten zu kommunalen Infrastrukturen.

