Chronik

Wer heute gemütlich durch die Greinergasse in Nussdorf spaziert, ahnt oft nicht, welch faszinierendes Geheimnis sich hinter dem unscheinbaren Bürgerhaus mit der Hausnummer 42 verbirgt. Auf den ersten Blick wirkt das alte Gebäude merkwürdig tief gelegen, die niedrigen Nischen der Fassade berühren fast den Gehsteig. Man könnte meinen, das Haus sei im Laufe der Zeit im Boden versunken – die tatsächliche Ursache ist jedoch ein Stück vergessene Natur: Jahrhundertelang floss der Schreiberbach offen direkt vor dem Haus vorbei. Erst als dieser Bach 1885 eingewölbt wurde, schüttete man die Straße massiv auf, wodurch das Straßenniveau so stark anwuchs, dass sich die Proportionen des ehemals stolzen, zweistöckigen Hauses völlig veränderten und das ursprüngliche Erdgeschoß optisch in der Erde verschwand.

Tritt man durch das historische Tor, macht man eine regelrechte Zeitreise: Mitten im Gebäude schlummert ein massiver, hochmittelalterlicher Wohnturm aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. Damals handelte es sich um einen großen, hohen Raum, in den durch hochrechteckige Schlitzfenster das Licht fiel – diese uralten Fensteröffnungen, die den wehrhaften und massiven Charakter des Turms unterstreichen, sind im heutigen Mauerwerk noch immer erstaunlich gut erhalten geblieben. Bereits 1469 wird das Anwesen urkundlich erwähnt: Die ersten namentlich bekannten Besitzer, Jorg und Dorothea Grill, besaßen hier neben einem großen Obstgarten auch vier sogenannte Brotbänke, in denen das wertvolle Brot unter strenger Kontrolle an die Nussdorfer Bevölkerung verkauft wurde. Über Jahrhunderte hinweg war das Haus ein lebendiger Mittelpunkt für Handwerker und beherbergte Generationen von Bäckern und Fleischhackern. Im späten 16. Jahrhundert erhielt das Gebäude nach Umbauten jene liebevollen, eleganten Details, die man in Teilen heute noch bewundern kann: kunstvolle Fassadenmalereien und ein hübscher Balusterfries direkt unter dem Dachansatz, dazu ein besonders geheimnisvolles Relikt, der spätgotische Erker an der Seite mit seinem kleinen, heute zugemauerten Spionfenster.

Seit 1989 ist das Haus offiziell denkmalgeschützt und wird nun behutsam als Neubauprojekt VICUS NUCUM revitalisiert: Das historische Hauptgebäude wird um zwei neue Seitentrakte erweitert, es entstehen neun exklusive Eigentumswohnungen mit Eigengärten, Balkonen und Terrassen, während der uralte Turm, die historischen Gewölbe und die Renaissance-Details streng geschützt und als spürbares Herzstück in das neue Zuhause integriert werden. Auch einer der ältesten Gewölbekeller Nussdorfs bleibt erhalten und steht den künftigen Eigentümern für private Feiern zur Verfügung.

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