Chronik

Neustift am Walde ist ein traditionsreicher Wiener Weinort im heutigen Döbling. Zwischen Sievering, Salmannsdorf, Neuwaldegg und Pötzleinsdorf gelegen, hat sich der Ort trotz seiner Zugehörigkeit zur Großstadt einen dörflichen Charakter bewahrt. Typisch für Neustift sind die langgezogenen Häuserreihen entlang des ehemaligen Krottenbachs sowie die zahlreichen Heurigenbetriebe, die den Ort bis heute prägen. Die Geschichte Neustifts reicht bis ins Mittelalter zurück: Der Name wurde bereits im 14. Jahrhundert erwähnt und verweist vermutlich auf eine neue Stiftung nach dem Untergang einer älteren Siedlung in der Umgebung. Die ersten Bewohner lebten vor allem von Landwirtschaft und Weinbau, da die Hänge rund um den Wienerwald günstige Bedingungen für den Anbau boten.

Im Laufe der Jahrhunderte wechselten Besitzverhältnisse und kirchliche Zuständigkeiten mehrfach, bedeutenden Einfluss hatte zeitweise das Augustiner-Chorherrenstift St. Dorothea, später das Stift Klosterneuburg. Wie viele Orte rund um Wien litt Neustift am Walde unter den Türkenbelagerungen von 1529 und 1683, bei denen Häuser und Weingärten stark beschädigt wurden. Auch Naturkatastrophen und Krankheiten hinterließen Spuren: Während der Pestzeit Anfang des 18. Jahrhunderts starben zahlreiche Bewohner, als Erinnerung an diese Zeit entstand die Rochuskapelle, aus der später die Pfarrkirche wurde. Der heilige Rochus gilt bis heute als Schutzpatron des Ortes.

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Neustift zunehmend zur Sommerfrische für wohlhabende Wienerinnen und Wiener; Gästezimmer, Gasthäuser und Heurige brachten wirtschaftlichen Aufschwung, während der Weinbau ein wichtiger Bestandteil des täglichen Lebens blieb. 1892 wurde Neustift gemeinsam mit mehreren Nachbarorten nach Wien eingemeindet, seit 1938 gehört es verwaltungsmäßig zu Döbling. Besonders bekannt ist Neustift am Walde für den Neustifter Kirtag, eines der größten traditionellen Weinfeste Österreichs: Der Brauch entstand der Überlieferung nach in der Zeit Maria Theresias, als die Winzer die Kaiserin nach mehreren schlechten Ernten um Unterstützung gebeten haben sollen. Als Zeichen ihrer Dankbarkeit führten sie eine geschmückte Erntekrone mit sich, aus der später die berühmte Hauerkrone entstand. Noch heute ziehen beim Kirtag der Hiata, der Altbursch und die Flascherlbuben mit Musik und der festlich dekorierten Krone durch den Ort, und tausende Besucher erleben jedes Jahr diese Mischung aus Brauchtum, Musik, Wein und Wiener Tradition.

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