Chronik
Die Ortschaft, die wahrscheinlich nach den vielen dort wachsenden Nussbäumen ihren Namen erhielt, wird um 1114 erstmals urkundlich genannt; ein altes Ortszentrum ist heute kaum noch zu bestimmen. Im 12. Jahrhundert nahm das Geschlecht der Herren von Nußdorf seinen Namen an, einzelne Nachkommen fungierten als herzogliche Waldmeister, das Geschlecht starb schließlich mit Otto Span de Nusdorf aus. Schon frühzeitig besaßen weltliche und geistliche Grundherren in Nußdorf zahlreiche Weingärten, deren Zahl sich erst durch die Klosteraufhebungen Josephs II. verringerte. Ab 1450 besaß Nußdorf eine dem heiligen Thomas geweihte Kapelle, gehörte jedoch bis 1783 zur Pfarre Heiligenstadt; in diesem Jahr erhielt Nußdorf einen eigenen Pfarrsprengel und mit der 1787-1789 neu erbauten Thomaskirche auch eine eigene Pfarrkirche.
1425 beschossen die Hussiten von Jedlesee aus Nußdorf, 1484 legte Matthias Corvinus bei der Belagerung Wiens in dieser Gegend Verschanzungen an, 1529 und 1683 litt der Ort unter den Türkeninvasionen – Kara Mustafa ließ Nußdorf gegen das Entsatzheer befestigen – und 1809 unter den Plünderungen der Franzosen, sodass er sich nur langsam erholen konnte. Allmählich entstanden Wirtschaftsgebäude, 15 Freihöfe bildeten selbständige Grundobrigkeiten, der Weinbau machte die Bewohner wohlhabend. Ab dem 18., insbesondere aber im 19. Jahrhundert ließen sich begüterte Wiener hier Sommerhäuser errichten. 1569 erwarb das Wiener Bürgerspital das Amt Nußdorf, das bis 1794 in seinem Besitz blieb, dann erfolgte der Verkauf an das Stift Klosterneuburg.
Die von Franz Xaver Bosch 1819 begründete Nußdorfer Brauerei und die Donaudampfschiffe trugen wesentlich dazu bei, Nußdorf zu einem stark besuchten Ausflugsort der Wiener zu machen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es verstärkt zu Industriegründungen, aber auch die Franz-Josefs-Bahn und die Zahnradbahn auf den Kahlenberg brachten wirtschaftlichen und touristischen Aufschwung; eine weitere Attraktion ist das Schikanederschlössel. 1890/1892 wurde Nußdorf nach Wien eingemeindet und Teil von Döbling. Der Ortsname wurde im 20. Jahrhundert meist Nußdorf geschrieben.

