Chronik
Die Döblinger Pfarrkirche St. Paul prägt seit fast zwei Jahrhunderten das Ortsbild von Oberdöbling. Sie steht am Kardinal-Innitzer-Platz auf einer leicht erhöhten Fläche und wirkt trotz ihrer vergleichsweise schlichten klassizistischen Gestaltung würdevoll und präsent. Interessant ist ihre Ausrichtung: Anders als viele Kirchen ist sie nicht geostet, sondern folgt einer Nord-Süd-Achse, parallel zur nahegelegenen Vormosergasse. Schon beim Betreten des Platzes fallen die beiden Figuren neben dem Hauptportal ins Auge – der heilige Erasmus und der heilige Johannes Nepomuk, die gewissermaßen als stille Wächter die Besucher empfangen.
Die Geschichte des Standorts reicht weit zurück: Bereits im Mittelalter wird eine Kirche in Döbling urkundlich erwähnt. Trotz wiederholter Zerstörungen, etwa durch Einfälle ungarischer Truppen im 15. Jahrhundert und später während der Zweiten Wiener Türkenbelagerung 1683, blieb der kirchliche Standort kontinuierlich bestehen. Allerdings war die Gemeinde nicht immer eigenständig: Im 17. Jahrhundert wurde die Pfarre zeitweise aufgelöst und Währing zugeordnet. Erst im Zuge der Reformen unter Joseph II. kam es 1783 zur Wiedererrichtung der selbstständigen Pfarre sowie zur Renovierung des damaligen Kirchengebäudes.
Mit dem Wachstum der Bevölkerung erwies sich die alte Kirche bald als zu klein und baufällig. 1826 fiel die Entscheidung für einen vollständigen Neubau: Nach Plänen des Architekten Josef Reininger entstand innerhalb weniger Jahre die heutige Saalkirche, die 1829 feierlich geweiht wurde. Architektonisch zeigt sich die Kirche als typisches Beispiel des Klassizismus mit klaren Linien, zurückhaltendem Dekor und ausgewogener Proportionierung; der Turm über dem Eingangsbereich besitzt eine quadratische Basis und wird von einem charakteristischen, leicht geschwungenen Pyramidendach mit Laterne abgeschlossen. Im 20. Jahrhundert wurde die Kirche mehrfach angepasst – nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil erhielt sie einen Volksaltar, in den 1980er Jahren wurde der Innenraum neugestaltet. Seit den 1970er Jahren ergänzt ein modernes Pfarrzentrum mit dem sogenannten Paulussaal das Ensemble und erweitert das Gemeindeleben.

