Chronik
Die Nussdorfer Straße zählt zu den traditionsreichen Verkehrsadern Wiens und blickt auf eine lange, bis ins Mittelalter zurückreichende Geschichte zurück. Bereits damals existierte im Bereich der heutigen Straße ein wichtiger Verbindungsweg, der vom Schottentor über die Währinger Straße bis nach Klosterneuburg führte. Eine Straße im eigentlichen Sinne ist jedoch erst ab dem Jahr 1721 nachweisbar. Ein bedeutender Entwicklungsschritt erfolgte nach 1815, als die sogenannten Kühtreiber'schen Ziegelofengründe parzelliert wurden – in diesem Zuge entstand der obere Abschnitt der Straße mit den Hausnummern 51 bis 75. Eine weitere grundlegende Veränderung fand 1866 bis 1867 statt, als die Straße neu trassiert und die zuvor starke Steigung deutlich entschärft wurde.
Die Namensgebung der Straße erfolgte 1862 und orientierte sich an ihrem Zielort Nussdorf. Vor der Eingemeindung der umliegenden Vororte nach Wien im Jahr 1850 hatte die Nussdorfer Straße zudem eine wichtige Grenzfunktion: Sie trennte die Vorstädte Alservorstadt und Michelbeuern sowie Himmelpfortgrund, Thurygrund und Lichtental voneinander.
Ein kulturell bedeutendes Detail ist das Haus Nr. 54, in dem 1797 der Komponist Franz Schubert geboren wurde. Später, nach 1879, entstand im Bereich zwischen Nussdorfer Straße und Alserbachstraße die Markthalle Nussdorfer Straße, die das wirtschaftliche Leben der Gegend prägte. Auch verkehrstechnisch spielte die Straße eine wichtige Rolle: Am 19. Oktober 1869 wurde eine Pferdebahnstrecke eröffnet, die Elektrifizierung erfolgte schrittweise – zunächst 1897 im Abschnitt zwischen Währinger Straße und Alserbachstraße, schließlich 1902 auf der gesamten Strecke.
Die Bausubstanz stammt überwiegend aus der Zeit des Wiener Historismus, wird jedoch durch später entstandene Gebäude mit secessionistischen Einflüssen sowie moderne Bauten ergänzt. Besonders im Bereich rund um die Schubert- und Canisiusgasse haben sich noch zahlreiche Gebäude aus der Biedermeierzeit und teilweise aus noch älteren Epochen erhalten, dazu zählt auch das Geburtshaus Schuberts. Die Nussdorfer Straße ist damit weit mehr als eine einfache Verkehrsverbindung – sie ist ein historisch gewachsener Stadtraum, der die Entwicklung Wiens über Jahrhunderte hinweg widerspiegelt.

