Chronik

Nachdem in den Jahren 1805 und 1809 Brände und ein Pestausbruch infolge der Besetzung durch französische Truppen während der napoleonischen Kriege den Alsergrund heimgesucht hatten, erholten sich die Wirtschaftsbetriebe wie die Porzellanmanufakturen erst ab 1815 wieder. In die folgende Biedermeierzeit fielen unter anderem das Wirken des hier geborenen Franz Schubert sowie Tanzveranstaltungen in den zahlreichen Gastwirtschaften des Lichtentals oder der Rossau, in denen unter anderen Joseph Lanner und Johann Strauss Vater aufspielten. Zudem wurden in dieser Zeit Großprojekte wie das St.-Anna-Kinderspital und die Irrenheilanstalt auf dem Brünnlfeld verwirklicht.

Nach dem Regierungsbeschluss zur Unterstellung von 34 Vorstädten unter den Wiener Gemeinderat 1849 wurde die Eingemeindung de jure 1850 in Kraft gesetzt. Das heutige Bezirksgebiet entstand aus den bisherigen Vorstädten Althangrund, Himmelpfortgrund, Lichtental, Michelbeuern, Rossau und Thurygrund. Hinzu kam die Alservorstadt, die als größte Vorstadt dem neuen Bezirk zu seinem Namen verhalf, von der aber 1861 der Teil südlich der Alser Straße abgetrennt und zum heutigen 8. Bezirk geschlagen wurde. Nach der Abtrennung Margaretens vom 4. Bezirk Wieden 1861 wurde aus dem ursprünglichen 8. Bezirk der heutige 9. Bezirk, da die bisherigen Bezirke 5–8 in 6–9 umnummeriert wurden, um für Margareten die Nummer 5 freizumachen.

Zur Zeit der Eingemeindung 1850 war das Alsergrunder Gebiet noch in sehr unterschiedlicher Dichte verbaut. Durch die Zusammenfassung der sieben Vorstädte bildete sich ein sozialer Schmelztiegel, in dem die Bewohner des Ärzteviertels der Alservorstadt ebenso lebten wie die Ziegelarbeiter des Michelbeuerngrundes, die Strobler des Althangrundes, die Holzarbeiter der Rossau, die Wäschermädeln des Himmelpfortgrunds, die Lichtentaler Handwerker oder die Thurygrunder Taglöhner. Hinzu kamen die Slowaken des Krowotendörfels und die Juden der Rossau.

Die Gründerzeit, etwa 1850 bis 1914, führte generell zu einer grundlegenden Veränderung der Bausubstanz. Während der Hochgründerzeit, 1870 bis 1890, entstanden in der Nähe der neu angelegten Ringstraße zahlreiche Repräsentationsbauten wie Mietpalais und Nobelmietshäuser für die Oberschicht, zum Gürtel hin bebaute man hingegen mit Miethäusern vom Bassenatyp. Am Rossauer Glacis wurden 1854–1859 auf 71 Bauplätzen zwischen Berggasse und Türkenstraße große Wohnhäuser wie das Palais Schlick und das Palais Festetics errichtet, 1856 erfolgte der Baubeginn für die Votivkirche, 1861 entstand am Beginn der Währinger Straße das provisorische Parlamentsgebäude. Die Verbauung des Bezirksgebietes am Donaukanal erfolgte erst nach der Jahrhundertwende, als um den Franz-Josefs-Bahnhof der Spittelauer Platz mit zahlreichen Jugendstilgebäuden entstand.

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