Chronik
Das Althanpalais, Areal am Franz-Josefs-Bahnhof, war ein um 1693 von Johann Bernhard Fischer von Erlach für den Obriststallmeister und Landjägermeister Christoph Johann Graf Althan erbautes Gartenpalais. Um einen Mittelsaal, der im Erdgeschoß ein Tiefoval, im ersten Stockwerk ein Queroval bildete, waren vier Flügel windmühlenflügelartig angeordnet. Johann Bernhard Fischer von Erlach ist zwar als leitender Architekt nicht gesichert, dass aber zumindest der originelle Grundriss auf ihn zurückgeht, gilt in der kunsthistorischen Forschung mittlerweile als gesichert. Möglicherweise war der ausführende Architekt Domenico Egidio Rossi.
1706 erbte Gundacker Ludwig Joseph Graf Althan das Palais von seinem Vater und verkaufte dieses am 30. Juni 1713 der Stadt Wien. Das Palais blieb fünf Jahre ungenutzt; erst 1718 fand sich mit Fürstin Thurn und Taxis ein Mieter für die Sommermonate, doch kein Interessent auf Dauer, weil die ungesunde Lage und die zahlreichen Überschwemmungen von der Donau und der Als viele Persönlichkeiten von Rang abschreckten, den Besitz zu erwerben. Erst 1754 gelang es, das Palais an Johann Georg Schuller, einen Handelsmann, zu verkaufen, der in den Nebengebäuden eine Kattunfabrik einrichtete.
1777 übernahm der privilegierte Großhändler Johann Baptist Pouthon, ein Sohn der Witwe Schullers aus deren erster Ehe, die Realität, ließ sie baulich vergrößern und den Betrieb modernisieren. Er richtete eine Produktion von Spinnmaschinen in einem neu erbauten Wirtschaftsgebäude ein, das Palais selbst diente ausschließlich Wohnzwecken. Der Besitz vererbte sich in der Folge über mehrere Generationen der Familie, zuletzt an Rudolf, den Sohn Karls, der 1863 starb. In den Wirtschaftsgebäuden des Palais Althan war später eine Baumwollfabrik untergebracht.
Im Zuge der Erbauung der Franz-Josefs-Bahn wurde das Palais 1869 abgerissen; am 23. Juni 1870 wurde der Betrieb auf der Strecke Wien–Eggenburg aufgenommen, am 4. Juni 1872 der provisorische Bahnhof durch den Franz-Josefs-Bahnhof ersetzt. Es existierte übrigens auch ein Palais Althan im 3. Wiener Gemeindebezirk Landstraße.

