Chronik

Neulerchenfeld war früher eine Vorortgemeinde „am neuen Lerchenfeld", die 1890/1892 gemeinsam mit Ottakring als 16. Bezirk nach Wien eingemeindet wurde. Es entstand um 1700 – aus diesem Jahr stammt der älteste erhaltene Plan mit 157 verzeichneten Parzellen. 1703 erfolgte die erste Nennung als geplante Siedlung, angelegt von Menschen aus dem 1683 zerstörten Ottakringer Ortsteil um St. Lambert, weshalb es bis dahin „Unter-Ottakring" genannt wurde. Es gehörte verwaltungsmäßig zur Gemeinde Ottakring und fand im Propst Christoph II. Mathaei von Klosterneuburg, der die Grundherrschaft über Ottakring ausübte, einen großzügigen Förderer. Das Haus „Zum Grundstein" in der Grundsteingasse 6 soll das älteste der Siedlung gewesen sein.

Neulerchenfeld war im Osten durch den Linienwall, im Süden durch den Ottakringer Bach und im Norden durch den Hernalser Exerzierplatz begrenzt und unterschied sich von dem weiter draußen gelegenen, bäuerlich geprägten Ottakring durch seine soziale Schichtung: Hier lebten vorwiegend Handwerker und kleinbürgerliche Gewerbetreibende. Der Ort entwickelte sich rasch und wurde bald wegen der in zahlreichen Häusern eröffneten Gaststätten und Weinschenken bekannt – man sprach scherzweise von „des Heiligen Römischen Reichs größtem Wirtshaus". 1835 befanden sich in den 157 Häusern Neulerchenfelds nicht weniger als 92 Lokale sowie zwei Tanzsäle, darunter die beliebten Gasthäuser „Zum Fassel", dessen Tanzfläche sich im Inneren eines 25.000-Eimer-Fasses befand, und „Zur Bretze", wo es den ersten „Lumpenball" gab. Der durch die Pest 1713 erlittene Rückschlag blieb nicht von Dauer.

Die 1732-53 erbaute Kirche „Zur schmerzhaften Mutter Gottes" bildete den Mittelpunkt der sich wieder vergrößernden Gemeinde. Die Industrialisierung Wiens gab Neulerchenfeld ein gänzlich neues Gepräge: Die Gemeinde gehörte mit Ottakring, Hernals und Fünfhaus zu jenen Teilen Wiens, die einen hohen Anteil an Substandardwohnungen mit dichtem Belag und hohem Untermieteranteil aufwiesen. Besonderer Anziehungspunkt bildete Mitte des 19. Jahrhunderts das Thaliatheater, in dem erstmals in Wien eine Wagner-Oper aufgeführt wurde, sowie die Thaliasäle in der Grundsteingasse 20.

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