Chronik
Die erste bekannte Quelle über den Kirtag auf der Mauer stammt aus dem Jahre 1709. Daraus ist ersichtlich, dass der Kirtag schon damals als uralter Gebrauch bezeichnet wird, verbunden mit einem Jahrmarkt und dem Dorfumgang. Der Kirchtag verursachte auch schon damals der Gemeinde Maur hohe Ausgaben, ein Beispiel aus dem Jahre 1746 zeigt eine Kostenrechnung von 17 Gulden und 32 Kreuzern für Richter, Geschworene, Bergambt, Wachtmeister und Stallmeister. Um 1868 war Mauer bezüglich des Leutgebens, der Weinausschank der Hauer, in vier Viertel geteilt, in jedem Viertel schenkte ein Leutgeb 14 Tage lang Wein aus. Vor dem Eingang der Kirtagleutgeber wurden Nadelbäume, geschmückt mit Flitterwerk, aufgestellt, daneben postierten sich Standler mit Lebzelten und Zuckerwerk. Das letzte Kirtagleutgeben war 1878 und brachte der Gemeinde einen Erlös von 55 Gulden und 90 Kreuzern.
Kirtage auf der Mauer gab es in den Jahren 1933 bis 1937, der letzte Kirtag vor dem Zweiten Weltkrieg fand am 29. Juni 1937 statt. Von 1938 bis 1947 gab es keinen Kirtag. Seit 1948 gibt es wieder den Kirtag auf der Mauer, der einige Jahre auf dem Hauptplatz bis zur Valentingasse abgehalten wurde, dann auf der Anlage der Turn- und Sport-Union Mauer in der Friedensstraße bis zum Jahr 1965.
Ein Heimatjahrbuch berichtet von jenem ersten Kirtag mit Festzug nach dem Krieg am 5. Juli 1948: Geschmackvoll aufgeputzte Bauernpferde der Perchtoldsdorfer Hauer führten den Umzug an, gefolgt von drei Hochzeitswagen mit einem grünen, einem silbernen und einem goldenen Hochzeitspaar, vier Männer trugen ein fünf Meter langes Salzstangerl, dazu zogen Winzer- und Sportgruppen, Wiener Volkstypen und ein Wagen mit Kindern an den zahllosen Zuschauern vorbei. Volkslieder und Volkstänze zahlreicher Trachtenvereine auf dem Festplatz vervollständigten das abwechslungsreiche Geschehen – für einige Stunden ein frohes Leben in dieser so ernsten und enttäuschungsreichen Zeit.
Quelle: Maurer Gschichten.

