Chronik
Inzersdorf, heute Katastralgemeinde in Liesing, war eine ehemalige selbständige Ortsgemeinde in den Bezirken 10 und 23. 1890 wurde zwar nicht das eigentliche Dorf, wohl aber fast das gesamte nördlich davon gelegene Gemeindegebiet nach Wien eingemeindet, der eingemeindete Teil erhielt die Bezeichnung Katastralgemeinde Inzersdorf-Stadt im 10. Bezirk Favoriten. Am 15. Oktober 1938 wurde das selbständig gebliebene Ortsgebiet dem neugeschaffenen 25. Bezirk Liesing eingegliedert, seit 1946/1954 dem 23. Bezirk. Das Inzersdorfer Schloss stammt aus dem 17. Jahrhundert, der Ort dürfte spätestens im 12. Jahrhundert entstanden sein, Erstnennung um 1120/1130 als Imicinesdorf. Bereits 1200 bestätigt Leopold VI. Schenkungen an das Schottenstift, darunter die Kirche und Mühle in Inzersdorf.
Gegen Ende des 15. Jahrhunderts ist Wenzel von Wyndten Besitzer des Guts Inzersdorf. Im 16. Jahrhundert öffneten die Brüder Adam und Christof Geyer von Osterburg Inzersdorf der protestantischen Lehre und verjagten den katholischen Pfarrer, bis 1653 blieb Inzersdorf Besitz der Familie Geyer. 1811 wurde eine Baumwoll-, 1832 eine Fezfabrik von Theodor Gülcher und 1869 eine Ziegelfabrik gegründet. 1826 kam Inzersdorf an den Industriellen Alois Miesbach, nach seinem Tod 1857 an seinen Neffen Heinrich Drasche von Wartinberg. Das Gebiet von Inzersdorf am Wienerberg ist reich an Ziegellagern, die seit alters abgebaut wurden, unter Heinrich Drasche nahm die Ziegelindustrie einen besonderen Aufschwung.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde für das Einzugsgebiet des Liesingbachs die mechanisch-biologische Kläranlage Inzersdorf-Blumental errichtet, 1972 wurde in Inzersdorf der Großgrünmarkt eröffnet. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden im Großraum Inzersdorf immer wieder römische Funde gemacht, die wichtigsten sind Meilensteine, die die vierte Meile, circa 6 Kilometer von Vindobona, angeben, und Grabsteine mit Namen von Sklaven. Ins Historische Museum gelangten auch keltische Münzen, die auf eine keltische Vorgängersiedlung hinweisen.

