Chronik

Um die Ergiebigkeit und Qualität des Grundwassers zu überprüfen, fanden ab 1961 mehrmonatige Pumpversuche statt. Besonderes Augenmerk galt möglichen Altlasten im Bereich des Ölhafens Lobau und des Zentraltanklagers, die durch Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg mit Öl verunreinigt worden waren. Umfangreiche Untersuchungen bestätigten schließlich die Eignung des Standorts. Nach der Genehmigung durch den Wiener Gemeinderat im März 1964 begann wenig später der Bau: Errichtet wurden ein 30.000 Kubikmeter fassender Wasserbehälter, ein Hebewerk, ein Betriebsgebäude sowie drei Horizontalfilterbrunnen. Eine mehr als zwölf Kilometer lange Rohrleitung verbindet das Wasserwerk mit dem Wiener Versorgungsnetz, das geförderte Trinkwasser erreicht die Stadt innerhalb von rund drei Stunden und 15 Minuten.

Die feierliche Eröffnung fand am 3. Juni 1966 statt, zu den Ehrengästen gehörten Bürgermeister Bruno Marek, Bundespräsident Franz Jonas sowie Stadtrat Hubert Pfoch. Das Grundwasserwerk Lobau entstand zwischen 1964 und 1966 in der Unteren Lobau und dient bis heute vor allem dazu, den erhöhten Wasserbedarf während Verbrauchsspitzen abzudecken – die Anlage kann täglich bis zu 80.000 Kubikmeter Trinkwasser in das Wiener Leitungsnetz einspeisen und stellt damit eine wichtige Ergänzung zu den Hochquellenleitungen dar. In den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs der Wasserverbrauch der Bundeshauptstadt stark an: Während 1935 noch rund 95 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr benötigt wurden, waren es 1965 bereits etwa 170 Millionen Kubikmeter.

Da sich der Bau der dritten Wiener Wasserleitung verzögerte, suchten die Wiener Wasserwerke nach geeigneten Grundwasservorkommen im Stadtgebiet. Mehrere untersuchte Gebiete erwiesen sich als ungeeignet, schließlich rückte die rund 1.200 Hektar große Untere Lobau in den Mittelpunkt der Untersuchungen. Das von Donau, Donau-Oder-Kanal und der Wiener Stadtgrenze umschlossene Areal wurde 1960 zum Wasserschutzgebiet erklärt. Seit 2012 wird überschüssiges Trinkwasser zeitweise in das Lobau-Grundwasser eingeleitet, diese als Eichert-Quelle bekannte Maßnahme, benannt nach ihrem Initiator Robert Eichert, trägt dazu bei, die Feuchtgebiete der Lobau zu erhalten und dem Austrocknen wertvoller Gewässer entgegenzuwirken.

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