Chronik

Kagran zählt heute zu den bekanntesten Stadtteilen im Nordosten Wiens. Das Gebiet gehört zur Donaustadt, reicht mit einem kleinen Teil aber auch in den Bezirk Floridsdorf hinein, gleichzeitig ist Kagran eine eigene Katastralgemeinde. Seine Geschichte reicht weit zurück: Bereits 1199 taucht der Ort in einer Urkunde unter der Bezeichnung Chagaran auf, der Name steht vermutlich mit Wagram in Verbindung und verweist auf die Landschaft am ehemaligen Donauufer. Lange Zeit war Kagran ein eigenständiges Dorf, einen wichtigen Entwicklungsschritt brachte der öffentliche Verkehr: Ab 1886 verband eine Dampftramway Kagran mit Floridsdorf und weiteren Orten in Richtung Groß-Enzersdorf. 1904 beziehungsweise 1905 wurde Kagran gemeinsam mit weiteren Orten nach Wien eingegliedert und zunächst Teil des 21. Bezirks Floridsdorf, seit der Wiener Bezirksreform von 1954 gehört Kagran zur Donaustadt.

Besonders stark veränderte sich das Ortsbild im 20. Jahrhundert: Während Kagran rund um den historischen Ortskern lange seinen dörflichen Charakter bewahrte, entstanden im Zuge des sozialen Wohnbaus zahlreiche neue Siedlungen – ein bedeutendes Beispiel ist die Freihofsiedlung südlich des alten Ortszentrums, die in der Zeit des Roten Wien errichtet wurde. Ab den 1970er-Jahren kamen auf den ehemaligen Trabrenngründen großflächige Wohnanlagen hinzu, damit entwickelte sich Kagran zunehmend zu einem dicht besiedelten Wohn- und Geschäftsgebiet. Ein Wahrzeichen des modernen Kagran ist das Donau Zentrum, das zu den größten Einkaufszentren Wiens gehört und dem Stadtteil eine wichtige Funktion als regionales Zentrum gibt. Auch die Nähe zur Donau prägt das heutige Erscheinungsbild: An der Neuen Donau entstand ein beliebter Freizeitbereich, der zunächst als Copa Cagrana bekannt wurde und nach einer Neugestaltung von der Stadt Wien als Copa Beach bezeichnet wird.

Zeugnis der älteren Geschichte ist die Pfarrkirche zum Heiligen Georg, ihre Ursprünge reichen ins Mittelalter zurück, der gotische Chor entstand im 15. Jahrhundert, während das Gotteshaus später mehrfach erweitert und verändert wurde. Rund um die Kirche befand sich einst der Kagraner Friedhof, der um die Wende zum 20. Jahrhundert aufgelassen wurde. So verbindet Kagran heute historische Spuren mit dichtem Wohnbau, Einkaufsangeboten und Freizeitmöglichkeiten an der Donau – gerade dieser Wandel vom ländlich geprägten Dorf zum urbanen Stadtteil macht die Geschichte Kagrans zu einem charakteristischen Beispiel für die Entwicklung des Wiener Stadtrands.

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