Chronik

Franz Edlinger, ein aus dem Waldviertel zugewanderter Weber, wanderte 1799 nach Wien ab, da das von ihm erlernte Webergewerbe in seiner Region darniederlag. Er lernte in Wien die ebenfalls zugewanderte Wäschereiinhaberin E. Leitgeb kennen und nutzte die Rahmenbedingungen der Wäscherei und Bleicherei seiner Gattin, um den schon lange von ihm verfolgten Gedanken die Rasenbleiche durch die sogenannte Kunstbleiche zu ersetzen. Mit der Übernahme durch Ferdinand Edlinger 1874 begann der eigentliche rasante Aufstieg der Firma. Die Textilindustrie, speziell die Bleicherei und die Veredelung, war schon immer ein wasserintensiver Industriezweig, sodass bald das zugewiesene Wasserquantum aus der Hochquellenleitung den Bedarf nicht mehr decken konnte.

So erwarb die Firma Edlinger 1882 das erste Grundstück in Kaisermühlen, heute noch bei älteren Bewohnern als Edlinger Gründe bezeichnet. Zwischen 1882 und 1918 wurden eine Clothfärberei, Kesselvergrößerungen, Stallerweiterungen, eine Erweiterung der Sengerei, der Aufbau des Verwaltungsgebäudes und die Elektrifizierung des Betriebes durchgeführt, in diese Zeit fiel auch die Errichtung zweier Betriebswohnhäuser. Fabriksbesitzer Ferdinand Edlinger war zudem ein großer Förderer des Kaisermühlner Kirchenbauvereines und brachte, als Kaisermühlen zwar schon eine Kirche, aber noch keine eigenständige Pfarre hatte, jeden Sonntag mit seinem Wagen einen Priester aus der Pfarre St. Johann nach Kaisermühlen. Das Produktionsprogramm umfasste Färben, Bleichen, Waschen und Appretieren, 1922 erfolgten umfangreiche Erweiterungen und Modernisierungen, darunter die erste Kondensationsturbine Österreichs, es wurde sogar im Mehrschichtbetrieb produziert.

1925 wurde die GesmbH aufgelöst und die Ferdinand Edlinger KG gegründet, 1932 verstarb KR Ferdinand Edlinger mit 89 Jahren nach 63-jähriger aktiver Firmenleitung, in der er das Unternehmen nachhaltig geprägt und zur damaligen Blüte geführt hatte. Wie noch lebende Zeitzeugen berichten, hat Edlinger seine Position als bedeutender Arbeitgeber in Kaisermühlen jedoch durchaus zu seinen Gunsten ausgenutzt und seine Löhne streng am Mindestmaß orientiert – ein Widerspruch zu seinem Auftreten als Gönner des Kirchenbauvereins. Der Betrieb und die Ära Edlinger wurden in der 5. Generation beendet, das Grundstück wurde an eine Wohnbaugenossenschaft verkauft, die darauf Wohnbauten errichtete.

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