Chronik
Georg Raphael Donner, geboren am 24. Mai 1693 in Eßling, gestorben am 15. Februar 1741 in Wien, war einer der bedeutendsten österreichischen Bildhauer und Medailleure des Barock. Er gilt neben Balthasar Permoser als herausragender Vertreter der mitteleuropäischen Skulptur des 18. Jahrhunderts, den Namen Raphael nahm er aus Bewunderung für den Renaissancekünstler Raffael und die antike Kunst an. Donner stammte aus einer Zimmermannsfamilie und wurde zunächst zum Goldschmied ausgebildet, ab etwa 1707 lernte er bei dem italienischen Bildhauer Giovanni Giuliani. Entscheidend für seine künstlerische Entwicklung war der Zugang zur Kunstsammlung der Fürsten von Liechtenstein, die zahlreiche antike und italienische Vorbilder enthielt – anders als viele Künstler seiner Zeit erreichte er seine Meisterschaft ohne längeren Studienaufenthalt in Italien, ein Aufenthalt in München um 1710 ist jedoch belegt, dort dürfte er die Technik des Bleigusses kennengelernt haben.
Zu seinen frühen Hauptwerken zählt die Bleifigur Merkur mit Amor, heute im Stiftsmuseum Klosterneuburg. Internationale Anerkennung erhielt Donner 1729 durch seine Arbeiten für den Martinsdom in Pressburg, wo er unter anderem Altäre sowie die berühmte Reiterstatue des heiligen Martin schuf. Ein weiteres bedeutendes Werk ist die Apotheose Kaiser Karls VI. im Wiener Belvedere, in der der Kaiser als römischer Imperator erscheint, gekrönt von der allegorischen Figur der Fama – die ausgewogene Komposition weist bereits auf den späteren Klassizismus hin.
Besonders bekannt wurde Donner durch den Providentiabrunnen, den heutigen Donnerbrunnen am Neuen Markt in Wien: Im Zentrum steht die Figur der Providentia, umgeben von Personifikationen österreichischer Flüsse wie Enns, Traun, March und Ybbs, die lebendige Darstellung dieser Figuren machte den Brunnen zu einem Vorbild für zahlreiche spätere Brunnenanlagen. Zu Donners weiteren Werken zählen der Andromedabrunnen im Alten Rathaus in Wien und eine Pietà im Dom zu Gurk, sein Stil prägte die Wiener Bildhauerei bis weit ins späte 18. Jahrhundert. Nach seinem Tod wurde er zunächst auf dem St.-Nikolai-Friedhof beigesetzt, später auf den Sankt Marxer Friedhof überführt. Heute erinnern die Donnergasse in der Inneren Stadt sowie in Eßling die Raphael-Donner-Allee an den großen Künstler.

