Chronik
Wo heute Wohnungen, Büros, Parks und der Asperner See das Bild prägen, befand sich einst eines der wichtigsten Flugfelder Wiens. Die Seestadt Aspern im Nordosten der Stadt gehört heute zu den größten Stadtentwicklungsprojekten Europas: Auf rund 240 Hektar entsteht Schritt für Schritt ein neuer Stadtteil, der bis in die 2030er-Jahre mehr als 25.000 Menschen ein Zuhause und über 20.000 Menschen einen Arbeitsplatz bieten soll. Die Geschichte des Ortes reicht dabei weit zurück: Archäologische Funde belegen, dass die Gegend bereits um 5000 vor Christus besiedelt war. Berühmt wurde Aspern vor allem durch die Schlacht von 1809, in der österreichische Truppen unter Erzherzog Karl Napoleons Armee besiegten. Viel später startete hier ein neues Kapitel der Wiener Mobilitätsgeschichte: 1912 wurde das Flugfeld Aspern eröffnet, bis 1977 war es in Betrieb, danach wurde das Gelände unter anderem für Autorennen genutzt, 1980 legte General Motors den Grundstein für ein Motorenwerk.
Die Idee für die heutige Seestadt nahm Anfang der 2000er-Jahre Gestalt an. Nach einem Bürgerbeteiligungsprozess wurde ein internationaler Wettbewerb für den Masterplan durchgeführt, 2007 beschloss der Wiener Gemeinderat die Umsetzung: Statt das riesige Areal einfach zu verbauen, sollte ein Stadtteil entstehen, in dem Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Natur eng miteinander verbunden sind. Ein prägendes Element ist der öffentliche Raum, rund die Hälfte des Entwicklungsgebiets ist dafür vorgesehen – schon vor dem eigentlichen Bauboom wurden Bäume gepflanzt, Wiesen angelegt und Flächen zwischengenutzt, 800 junge Bäume dienten dabei als Frühes Grün und wurden später als Stadtbäume eingesetzt. 2010 begannen die Arbeiten für den Asperner See, das rund 54.000 Quadratmeter große Gewässer wird aus Grundwasser gespeist und bildet heute das Zentrum des Seeparks. Seit 2013 verbinden die Stationen Aspern Nord und Seestadt das neue Viertel direkt mit dem Wiener U-Bahn-Netz.
Doch Stadtentwicklung verläuft nicht immer ohne Reibung: Die stark versiegelten Flächen des Seeparkquartiers lösten Kritik aus, Wien reagierte 2022 mit einer Umgestaltung der Fußgängerzone samt zusätzlicher Bäume, Staudenbeete und Wasserspiele. Und die Seestadt wächst weiter: 2024 erfolgte der Spatenstich für das Trainingszentrum des Österreichischen Fußball-Bunds, 2025 bezogen die ersten Mitarbeiter ihre Büros. Aus einem ehemaligen Flugfeld ist damit längst mehr geworden als ein Bauprojekt – die Seestadt Aspern ist ein laufendes Experiment darüber, wie eine Stadt für die Zukunft aussehen kann.

