Chronik
Durch die Provisorische Gemeindeordnung wurde Wien 1850 als einheitliche Ortsgemeinde konstituiert, indem die Innere Stadt und die Vorstädte zusammengeschlossen wurden. Das neu geschaffene Gemeindegebiet gliederte man in 8 Bezirke, wobei auf die Grenzen der ehemaligen Vorstädte keine Rücksicht genommen wurde. Der Bezirk Mariahilf wurde durch den Zusammenschluss der Vorstädte Gumpendorf, Magdalenagrund und Windmühle zur Gänze beziehungsweise Laimgrube und Mariahilf mit ihren südlichen Teilen geschaffen und erhielt zunächst die Ordnungsnummer 5. Erst nach der Abtrennung Margaretens von der Wieden 1861 verschob sich die Nummerierung und Mariahilf wurde zum 6. Bezirk.
Der Bezirk erstreckt sich südwestlich vom Stadtkern auf dem Hang zwischen Wienfluss und Mariahilfer Straße bis zum Linienwall bzw. der Gürtelstraße. Heute weist er eine Fläche von 1,46 Quadratkilometern auf. 1861 wurde das jenseits des Wienflusses gelegene Gebiet an den neu gegründeten 5. Bezirk Margareten abgetreten. Die nördlich der Mariahilfer Straße gelegenen Teile der Vorstädte Laimgrube und Mariahilf kamen schon 1850 zum ab 1861 7. Bezirk, da die Mariahilfer Straße zur Bezirksgrenze erklärt worden war. 2009 wurde schließlich das gesamte Naschmarktgebiet dem Bezirk zugeschlagen.
Die soziale Kluft vergrößerte sich durch die industrielle Entwicklung sprunghaft. Während Fabriksherren immer reicher wurden und sich prachtvolle Häuser erbauen ließen, verfügte nicht einmal die Hälfte der unselbstständigen Arbeiterinnen und Arbeiter über eine eigene Wohnung. Es wundert also nicht, dass gerade in jenem Bezirk, in dem die Metall- und Textilindustrie am stärksten vertreten war, auch die Arbeiterbewegung ihren Ausgang nahm. 1867 kam es zur Gründung des Arbeiterbildungsvereins im Hotel „Zum Blauen Bock", an dem auch Victor Adler teilnahm. Schon 1866 war der Wiener Frauenerwerbsverein gegründet worden. Der öffentliche Verkehr nahm mit der Pferdetramwaylinie Bellaria–Penzing seinen Anfang. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts etablierten sich neben dem Theater an der Wien zahlreiche Kunst- und Kulturstätten, so auch das Raimundtheater.
In der Zwischenkriegszeit litt der industrie-gewerbliche Bezirk unter der Wirtschaftskrise besonders. Das Kulturleben blühte dennoch: Im Café Dobner etablierte sich 1933 die Kleinkunstbühne „Literatur am Naschmarkt". Nach der NS-Machtübernahme wurden mindestens 744 jüdische Einwohner und politisch Verfolgte in Konzentrationslager deportiert, 398 Betriebe „arisiert". 1939 wurde das Theater an der Wien geschlossen. Im Jahr 1942 erfolgte der Baubeginn des Flakturms im Esterházypark. Während des Luftkriegs kam es am 6. November 1944 und am 12. März 1945 zu größeren Bombardements, die Stadtbahnstation Margaretengürtel wurde schwer getroffen.

