Chronik
Es ist heute ein Bezirksteil des 12. Wiener Gemeindebezirks. Seine Geschichte reicht jedoch in eine Zeit zurück, als Wien noch deutlich kleiner war und Gaudenzdorf eine eigenständige Gemeinde vor den Toren der Stadt bildete.
Die Anfänge des Ortes gehen auf die Siedlung Meinhartsdorf zurück. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelte sich das Gebiet am Wienfluss zunehmend. 1812 entstand das Gasthaus „Zum grünen Baum“, wenige Jahre später wuchs die Siedlung deutlich. Am 24. Jänner 1819 wurde Gaudenzdorf schließlich von Untermeidling getrennt und zu einer selbstständigen Gemeinde. Seinen Namen erhielt der Ort nach Gaudentius Andreas Dunkler, dem damaligen Propst des Stifts Klosterneuburg und Grundherrn des Gebietes.
Der Wienfluss prägte das Leben der Bevölkerung. Fischer und Wäscherinnen gehörten zunächst zu den wichtigsten Berufsgruppen. Mit dem wirtschaftlichen Wandel kamen jedoch Färber und Gerber hinzu. Ihre Betriebe leiteten Abwässer in den Fluss, wodurch sich die Wasserqualität zunehmend verschlechterte. Damit verloren auch die traditionellen Tätigkeiten am Wienfluss an Bedeutung.
Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts setzte eine rasche wirtschaftliche Entwicklung ein. 1855 nahm das Gaudenzdorfer Gaswerk seinen Betrieb auf, weitere Fabriken folgten. Auch das gesellschaftliche Leben veränderte sich. Schulen, ein Kindergarten und eine freiwillige Feuerwehr entstanden. Gleichzeitig kam es während der Revolution von 1848 zu politischen und sozialen Unruhen im Ort.
Eine wichtige Rolle spielte außerdem die Verkehrsentwicklung. Pferdestraßenbahnen verbanden Gaudenzdorf mit benachbarten Orten und dem Schloss Schönbrunn. Ab 1884 bestand zudem eine Dampftramwayverbindung Richtung Wiener Neudorf.
Ende des 19. Jahrhunderts verlor Gaudenzdorf seine Selbstständigkeit. 1890 beschloss der niederösterreichische Landtag die Eingemeindung nach Wien, die mit 1. Jänner 1892 wirksam wurde. Gaudenzdorf kam zum neu geschaffenen 12. Bezirk Meidling. 1905 wurde der nördlich des Wienflusses gelegene Teil Neu-Gaudenzdorf abgetrennt und dem damaligen 14. Bezirk zugeschlagen.
Heute erinnert vor allem der Gaudenzdorfer Gürtel an die frühere Gemeinde. Die Entwicklung von wenigen Häusern im Jahr 1818 zu mehr als 300 Häusern wenige Jahrzehnte später zeigt eindrucksvoll, wie schnell sich Gaudenzdorf von einer kleinen Siedlung zu einem wichtigen Wohn- und Gewerbestandort entwickelte.

