Chronik

Altes Chemisches Institut, auch I. Chemisches Institut der Universität; Währinger Straße 10, Türkenstraße 2, Wasagasse 9, Hörlgasse 1, erbaut 1869–1872 von Heinrich Ferstel als Laboratorium, nach Angaben des Chemikers Josef Redtenbacher, eines Schülers von Justus Liebig. Der in Formen der Renaissance errichtete Ziegelrohbau weist teilweise Verzierungen aus farbig fein abgestuften glasierten Wienerberger Terrakotten auf; die Bildhauerarbeiten stammen von Josef Pokorny, die ornamentalen Malereien und Sgraffiti von Ignaz Schönbrunner. Das Gebäude entspricht in seinem Aussehen den Grundsätzen des sogenannten strengen Historismus und kostete rund 670.000 Gulden.

Das Gebäude nahm später das I. Pharmazeutische Institut und andere Universitätsinstitute auf; für das Chemische Institut wurde ein Neubau errichtet – das Neue Chemische Institut, II. Chemisches und Physikalisches Institut der Universität Wien, Währinger Straße 38–42, Boltzmanngasse 1–5, Strudlhofgasse 2–4. Auf einem Teil des Areals, heute Portaltrakt und Auer-Welsbach-Denkmal, stand zuvor ein 1648 aus einer Wohltätigkeitsstiftung hervorgegangenes Versorgungshaus: das 1720 erbaute Bäckenhäusel mit seinem markanten Mansardendach, in Pestzeiten ein Notspital, ansonsten ein Armenversorgungshaus. Die Anstalt wurde 1868 aufgelassen, 1869 zog in das Gebäude die Generaldirektion der k.k. Tabakregie ein und bestand dort bis 1905. 1907 wurde das Gebäude demoliert, 1908–1915 im Auftrag des k.k. Ministeriums für öffentliche Arbeiten der Neubau errichtet.

Im Hausflur rechts steht die Büste des Chemikers Ludwig Barth von Barthenau und ein Relief des Chemikers Hugo Weidel; eine Gedenktafel erinnert an die Widerstandskämpfer Dr. Kurt Horeischy und Dr. Hans Vollmar, die den Versuch, am 5. April 1945 das im Institut aufgestellte Elektronenmikroskop vor der Zerstörung durch die Nationalsozialisten zu retten, mit dem Leben bezahlten.

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