Chronik

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Im Jahr 1515 wurde die Apotheke erstmals als „Apud elephantum nigrum" – „zum schwarzen Elefanten" am Stock-im-Eisen-Platz am Graben erwähnt. Namensgebend war später der Besuch des ersten Elefanten in Wien: Der damals als Bestie gefürchtete Elefant namens Soliman wurde 1552 von Kaiser Maximilian II. über den Graben geführt. Der Sage nach soll er ein gestürztes Mädchen mit seinem Rüssel in die Arme seiner Mutter zurückgehoben haben, anstatt es zu zertrampeln. Anlässlich dieses „Wunders" stiftete der Vater des Mädchens eine Elefantenstatue als neues Hauszeichen.

Bei ihrer ersten Umsiedelung auf den Kohlmarkt 4 erhielt die Apotheke ihren bis heute bestehenden Namen „ad Cinconam Album" – „zum weißen Storch". Im Laufe ihres über 500 Jahre langen Bestehens siedelte sie weiter ins ehemalige Schönbrunner-Haus auf der Tuchlauben 8, bevor sie 1871 anlässlich der Wiener Weltausstellung (1873) durch Apotheker Dr. August Moll an den heutigen Standort Tuchlauben 9 verlegt wurde und den Beinamen „A. Moll" erhielt.

Am 10. September 1944 wurde das Haus durch einen britischen Bombentreffer schwer beschädigt. Es wurde durch private Mittel der Apothekerswitwe Ermingilda Moll und ihrer Töchter Bianca und Gilda wieder aufgebaut; die Fassade blieb als Mahnmal an das Unglück bis heute kahl. Die klassizierende Inneneinrichtung von 1871 wurde nicht zerstört und ist noch heute im Originalzustand erhalten.

Um die Jahrhundertwende war die Zeit vom Handel mit photographischen Bedarfsartikeln geprägt: „ältestes Spezial-Geschäft für Photographische Apparate und sämtliche Bedarfsartikel für Photographie – 1854" stand auf den Kuverts zur Plattenentwicklung. 1889 entstand dafür ein eigenes Photoatelier, der „Copierraum", auf dem Dach des Apothekenhauses – mit einer 1,5 m hohen Sonnenblende für gleichmäßiges, kaltes Nordlicht. Dr. A. Moll war Vorsitzender der photographischen Gesellschaft Wien, reiste 1855 zur Pariser Weltausstellung und erhielt dort eine Medaille von Napoleon III. Für seine pharmazeutischen Erzeugnisse wie Seidlitzpulver und Franzbranntwein sowie seine photografischen Artikel wurde er zudem k. u. k. Hoflieferant.

Von 1862 bis 1938 befand sich das 1788 gegründete erste öffentliche „Kinder-Kranken-Institut" im Haus der Apotheke. Die hauptsächlich jüdischen Ärzte arbeiteten dort wohltätig und standen im regen Austausch mit Apotheker Dr. August Moll, der sich maßgeblich um den Umzug des Instituts in sein Haus bemühte. 1902 wurden dort rund 21.500 Kinder aus einkommensschwachen Familien gratis behandelt. Auch Sigmund Freud wirkte zehn Jahre an der psychiatrischen Abteilung mit und verfasste dort drei Publikationen. Zu Beginn der NS-Besatzung wurde das Institut 1938 ersatzlos geschlossen.

Die Apothekerkonzession wurde seit jeher innerhalb der Familie weitergegeben: von Ignaz Moll über Dr. August Moll senior und junior bis zu dessen Enkeln Alfons und Beatrice Pawel-Rammingen. 1993 ging sie an Mag. Alexandra Bánó (geb. Freiin Pawel-Rammingen), die sie 2016 nach 23 Jahren als Apothekerin an ihren damals 24-jährigen Sohn Mag. Georg Bánó übertrug. In nun siebter Generation seit Ignaz Molls Übernahme 1809 steht die Apotheke vor einem neuen Kapitel, das Mag. Bánó gemeinsam mit seiner Schwester Dr. pharm. Elisabeth Zichy gestaltet.

Heute zählt die A. Moll Apotheke zum weißen Storch nach wie vor zu den Herzstücken der Gesundheitsversorgung der Inneren Stadt. Die hausgemachten Eigenmarken umfassen über 20 moderne wie überlieferte Rezepturen aus Kosmetik, Körperpflege, Veterinärpflege und Nahrungsergänzung – von der Feuchtigkeits- und Nährcreme bis zu den traditionellen Seifen, deren Rezeptur und rund 175 Jahre alte Prägeformen noch von Ignatius Moll stammen. Für 2026/2027 ist im Zuge einer Sanierung des rund 800 Jahre alten Hauses mit dem 3-stöckigen historischen Apothekenkeller, in Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt, eine Modernisierung geplant: ein zusätzlicher Eingang über die Steindlgasse, ein vergrößerter Verkaufsraum und ein automatisiertes Warenlager mit 24/7-Ausgabestelle sollen einen barrierefreien Zugang ermöglichen, während die historische Einrichtung von 1871 zur Gänze erhalten bleibt.

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