Chronik
Der mit einem Schlachthof verbundene Zentralviehmarkt, für den Verkauf von lebendem Großhornvieh sowie lebendem und geschlachtetem Kleinvieh, St. Marx Viehmarktgasse 5-7, entstand 1879–1884 und hatte Bestand bis 1997.
Die Fleischverteilung beziehungsweise -verarbeitung hatte sich im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit am Ochsengries abgewickelt, wo die aus Ungarn kommenden Ochsen gesammelt wurden. Als mit den Grabungen für den Hafen des Wiener Neustädter Kanals begonnen wurde, verlegte man 1797 den Ochsenmarkt nach St. Marx vor den Linienwall.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ersetzte zunehmend der Bahntransport den Viehtrieb in den Wiener Raum. Mangels eines direkten Bahnanschlusses blieb es aber zunächst bei der sogenannten Ochsenhetze durch die Vororte nach St. Marx. 1874 wurde die Viehschleppbahn nach St. Marx fertiggestellt. Zu dieser Zeit begannen die Planungen für einen zeitgemäßen Viehmarkt.
Der mit einem Schlachthof verbundene Zentralviehmarkt entstand 1879–1884 und wurde 1884 eröffnet. Er bot für 8.000 Rinder, 4.500 Kälber, 12.000 Schafe und 12.000 Schweine Platz. Der Viehmarkt war zu jener Zeit einer der größten Europas. Trotzdem erwies er sich bald als zu klein. 1903 wurde die Kapazität nach Fertigstellung von vier neuen Hallen fast verdoppelt. Aus jener Zeit stammen die Sandsteinplastiken „Stiere" von Anton Schmidgruber, beiderseits des Eingangstores am Ende der Viehmarktgasse: Links wird ein zahmer cisleithanischer österreichischer, rechts ein wilder transleithanischer ungarischer Stier von seinem Treiber gehalten. Es folgten 1910 der Schweineschlachthof beziehungsweise 1916/1917 und 1920–1922 die Erweiterung des Auslandsschlachthofs samt Kontumazmarkt.
Im Zweiten Weltkrieg wurden der Zentralviehmarkt und das Schlachthaus St. Marx weitgehend zerstört. Es wurde mit dem Wiederaufbau begonnen und 1955 konnten einzelne Teile schrittweise wieder eröffnet werden. Jedoch verlor der Viehmarkt in den kommenden Jahren komplett an Bedeutung. In den 1960er Jahren wurden rund um Wien neue Schlachthöfe errichtet. Dies hatte einen empfindlichen Rückgang der Anlieferungen von Lebendvieh nach Wien zur Folge. Die Stadt Wien versuchte dieser Entwicklung mit dem Neubau eines zeitgemäßen Schlachthofes zu begegnen. Er wurde 1972 eröffnet und bildete nun gemeinsam mit dem aus der Landstraßer Fleischhalle hierher verlegten Fleischgroßmarkt das „Fleischzentrum Sankt Marx". Als 1970 der Auslandsschlachthof abgerissen werden sollte, bildete sich nach Besetzung und massiven Protesten das alternative Kulturzentrum Arena.
Ende der 1990er Jahre wurde das Fleischzentrum geschlossen. Der Schlachthofbetrieb wurde 1997 geschlossen. Mit der Schließung ging das endgültige Aus für den Lebendviehmarkt einher. Die Fleischzerlegung und der Fleischgroßmarkt waren noch bis 2007 in St. Marx angesiedelt. Das Areal wurde in das Stadtteil-Neubaukonzept einbezogen. Dann wurde der Fleischgroßmarkt in die neu errichtete Halle am Großmarkt Wien im 23. Bezirk übersiedelt.

