Chronik

Hetzendorf zählt heute zu den bekannten Wohngebieten Wiens, blickt aber auf eine lange Geschichte als eigenständige Siedlung zurück. Erstmals schriftlich erwähnt wurde der Ort um 1140 unter dem Namen „Hercindorf“. Im Laufe der Jahrhunderte änderte sich die Schreibweise mehrfach. Der Name könnte auf einen Personennamen zurückgehen.

Im Mittelalter stand Hetzendorf zunächst unter der Herrschaft des Klosterneuburger Augustiner-Chorherrenstifts. 1456 gelangte das Dorf an den Deutschen Ritterorden, der es fast drei Jahrhunderte besaß. An diese Zeit erinnert das historische Ortssiegel mit dem charakteristischen Kreuz des Ordens. Eine wichtige Veränderung brachte das Jahr 1694: Sigismund Graf Thun ließ ein Jagdschloss errichten, aus dem später das Hetzendorfer Schloss hervorging.

Von 1744 bis 1780 gehörte Hetzendorf Maria Theresia. In dieser Zeit wurde unter anderem die Schönbrunner Allee angelegt. Danach wechselten die Besitzer des Gutes mehrmals. 1783 entstand die erste Schule. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte sich Hetzendorf zunehmend zu einem beliebten Wohnort mit Villen und größeren Gärten. Auch der Prónaygarten entstand im 19. Jahrhundert. Eine technische Besonderheit war die Errichtung eines artesischen Brunnens.

Mit den Gemeindegesetzen von 1849 und 1850 wurde Hetzendorf selbstständig. Danach setzte eine stärkere bauliche Entwicklung ein. Die bisher landwirtschaftlich geprägten Flächen wurden schrittweise parzelliert und bebaut. Um 1870 entstanden erste neue Wohngebiete, später folgten weitere Siedlungen und Villen. Zwischen 1900 und 1914 wurden zahlreiche Miethäuser errichtet. In der Zwischenkriegszeit kamen Genossenschaftsbauten und neue Wohnsiedlungen hinzu.

Nach dem Zweiten Weltkrieg veränderte sich das Ortsbild erneut. Vor allem städtische und genossenschaftliche Wohnbauten prägten nun die weitere Entwicklung. Auch die Verkehrsinfrastruktur wurde verbessert, etwa durch den Neubau der Südbahnbrücke und die Unterführung der Breitenfurter Straße. Die Geschichte Hetzendorfs lässt sich damit auch an seinem heutigen Stadtbild ablesen: Mittelalterliche Ursprünge, Schloss und Villenviertel, historische Wohnhäuser und jüngere Siedlungen stehen für die unterschiedlichen Phasen, in denen sich aus einem kleinen Dorf ein Teil der Großstadt Wien entwickelte.

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