Chronik
Die Brigittenau erhielt ihren Namen von der katholischen Heiligen Brigitta, zu deren Ehren 1651 eine kleine Kapelle in der Forsthausgasse errichtet worden war. Seit 1850 gehörte die Brigittenau zur Leopoldstadt und bildete mit dieser gemeinsam den zweiten Bezirk. Infolge der 1884 abgeschlossenen Donauregulierung entstanden zahlreiche Betriebe und Arbeitersiedlungen, mit dem Bau der Nordbahn kam auch die Metall- und Schwerindustrie in die Brigittenau, die Bevölkerung stieg beständig an. Im Gasthaus Ockermüller, einem typischen kleinen Arbeiterwirtshaus, erfolgte 1889 das Treffen zwischen Bürgermeister Dr. Karl Lueger und dem Gemeinderat Bäckermeister Lorenz Müller über die Abtrennung der Brigittenau von der Leopoldstadt. Am 24. März 1900 erlangte die Brigittenau ihre Selbständigkeit und wurde mit der Ortschaft Zwischenbrücken zum 20. Wiener Gemeindebezirk; 1906 wurde das Amtshaus am Brigittaplatz nach den Plänen des Architekten Karl Badstieber gebaut. Zählte der Bezirk zunächst 71.000 Einwohner, waren es 1910 bereits 101.000.
Am 26. November 1927 wurde im ehemaligen Nordwestbahnhof die weltweit erste Schihalle eröffnet, der sogenannte Schneepalast. Infolge des raschen Bevölkerungswachstums setzte eine große Wohnbautätigkeit ein: 1926 wurde mit dem Winarsky-Hof die erste städtische Wohnhausanlage fertiggestellt, 1933 die große Wohnhausanlage am Friedrich-Engels-Platz durch Bürgermeister Karl Seitz eröffnet, bis 1934 entstanden über 4.800 neue Wohnungen im Bezirk. Während der Februarkämpfe 1934 wurde der Friedrich-Engels-Hof von der Heimwehr besetzt und in Engel-Hof umbenannt. Die 1938 folgende NS-Diktatur und der Zweite Weltkrieg trafen die Brigittenau besonders hart: Von den über 15.000 Juden der Brigittenau überlebten nur 36 Personen im Bezirk, mehrere Brücken wurden gesprengt, 182 Objekte vollständig und 649 teilweise zerstört. Nach Kriegsende gehörte die Brigittenau bis 1955 zur sowjetischen Besatzungszone.
Es folgten Jahre des Wiederaufbaus mit zahlreichen Bauprojekten für Wohnungen, Grün- und Verkehrsflächen sowie Schulen und Kindergärten. 1956 wurde auf dem Höchstädtplatz das von Margarete Schütte-Lihotzky entworfene Gebäude des Globus-Verlags eröffnet, seit 1962 verläuft die Wiener Schnellbahn mit Haltestelle Traisengasse durch die Brigittenau. 1999 wurde der Millennium Tower fertiggestellt, mit 202 Metern lange Zeit das höchste Gebäude Österreichs. Im Jahr 2000 erhielt die bereits 1994 gegründete FH Technikum Wien als erste Einrichtung Wiens den Status einer Fachhochschule und ist mittlerweile die größte Fachhochschule Österreichs für Technik und Digitalisierung. Beginnend mit 2025 soll die Wallensteinstraße umfassend umgestaltet werden, und bis 2035 soll auf dem Gelände des ehemaligen Nordwestbahnhofs ein neuer Stadtteil entstehen.

