Chronik
Den k. k. Botanischen Garten ließ Maria Theresia 1754 nach dem Rat ihres Leibarztes Gerhard van Swieten anlegen. Sie erwarb zu diesem Zweck den großen Gartenkomplex des Hugo von Heunisch, ließ ihn durch Robert Laugier mit medizinischen Kräutern bepflanzen und schenkte ihn 1757 der Universität. Bereits 1756 wurden die ersten Lehrkurse abgehalten. Als 1768 der bedeutende Botaniker Nikolaus von Jacquin, einer der Begründer der Wiener Botanischen Schule, die Leitung des Gartens übernahm, erlebte dieser einen beachtlichen Aufschwung. Unter Jacquins Sohn Joseph, Leitung 1797–1839, kam es zu einer Ausgestaltung des Botanischen Gartens, der 1817 unter Franz I. vergrößert werden konnte. Der Kaiser überließ der Universität jenen Teil, der sich von den Gewächshäusern nach Süden erstreckt.
Zu großen Veränderungen kam es unter Stephan Ladislaus Endlicher, 1839–49, im Zuge einer nochmaligen Vergrößerung des Gartens. 1841 schuf er eine neue Abteilung für offizinelle Pflanzen, außerdem errichtete er 1844 Ecke Rennweg-Gärtnergasse einen Neubau für das Botanische Museum der Universität Wien und brachte in diesem Gebäude 1845 auch die Sammlungen und die Bibliothek des Hofnaturalienkabinetts unter. Eduard Fenzl, 1849–1878, vollendete das Werk, das seine Vorgänger begonnen hatten. Unter Anton Kerner von Marilaun, 1878–98, begann eine neue Ära für das Institut und den Garten, der unter seiner Direktion völlig umgestaltet wurde. Über Antrag seines Nachfolgers Richard Wettstein, 1863–1913, wurde in den Räumen komplett umgebaut, in welchem auch die Bibliothek untergebracht ist. Im Flur des Musealgebäudes wurden Büsten der Direktoren Jacquin der Ältere, Endlicher und Kerner von Marilaun aufgestellt. 1908 wurde ein Teil des Gartens für den Bau der Hof- und Staatsdruckerei, Rennweg 12a-16, abgetreten.
Der Botanische Garten ist nach pflanzengeographischen Gesichtspunkten in Gruppen geteilt, welche die verschiedenen Floren der Welt umfassen. Auch die Richard-Strauss-Villa und die Kirche „Zur dreimal wundertätigen Muttergottes" stehen auf Grundstücken, die seinerzeit zum Botanischen Garten gehört hatten.

