Chronik
Der Vergnügungspark entstand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus der ursprünglichen Werkskantine der Wiener Ziegelwerke, aus der zu dieser Zeit das erste Ausflugsgasthaus auf dem Laaer Berg wurde. 1892 erhielt der Wirt die Erlaubnis, neben seinem Gasthaus „erlaubte Spiele" zu veranstalten, und stellte eine Schaukel und ein Ringelspiel auf. In den Folgejahren entstanden zahlreiche weitere Wirtshäuser mit Kegelbahnen und Tanzsälen sowie Kettenkarussells, Ringelspiele und Wurfbuden – ein Prater in Kleinausgabe. Hauptnutzer waren die Arbeiter der Ziegelwerke mit ihren Familien, die vornehmlich aus den österreichischen Kronländern Böhmen und Mähren stammten, wodurch sich bald der Name Böhmischer Prater etablierte.
Nach einem Niedergang durch den Ersten Weltkrieg erholte sich die Einrichtung erst in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre. Am 11. Dezember 1944 wurde der Böhmische Prater durch einen Bombenangriff nahezu vollständig zerstört, nur zwei Karussells blieben erhalten. Der Wiederaufbau in den Nachkriegsjahren gab dem Park schließlich sein heutiges Aussehen. Durch den Ankauf des gesamten Areals durch die Stadt Wien 1986 wurde der Weiterbestand für die Zukunft gesichert.
Der Böhmische Prater erstreckt sich über etwa 350 Meter beidseits der zeitweise als Fußgängerzone ausgewiesenen Straße Laaer Wald. Die Fahrgeschäfte und Gastronomiebetriebe gehören Familienbetrieben und reichen vom mehr als hundert Jahre alten, denkmalgeschützten Ringelspiel über ein Kaffeetassenkarussell und eine Kinderautobahn bis zum 1988 erbauten Riesenrad mit 14 Gondeln und 21 Metern Durchmesser. Von seinem höchsten Punkt reicht der Blick bis zum Flughafen Wien-Schwechat, dem Schneeberg, dem Wienerwald, dem Kahlenberg und dem Leopoldsberg sowie über die gesamte Stadt.

