Chronik

Das Kino wurde 1955 an der Adresse Nußdorfer Straße 73 eröffnet, an der sich zuvor ein Gasthaus, ein Hotel und ein Theater befunden hatten, in welchem zuletzt vorwiegend Operetten gezeigt wurden. Zum Zeitpunkt der Öffnung war es eines von elf Kinos im Bezirk und beeindruckte vor allem durch seinen prächtigen Saal. Besondere Popularität erlangte das Kino, da es im ersten Stock eine Kinderbetreuungsstelle anbot, die den Eltern den Besuch von Kinovorstellungen erleichterte – die Sitzplätze wurden notiert, um so in Notfällen die Eltern aus dem Film holen zu können. In den ersten Jahren wurde das Kino zudem für Modenschauen genutzt. 1961 wurde unter dem Kino eine Weindiele eingebaut, von 1964 bis 1966 befand sich an deren Stelle der Jugendklub „Hängematte", ehe die Räume im Zuge des Umbaus zu einem Mehrsaalkino umfunktioniert wurden.

Die Geschäftsführung wechselte in den folgenden Jahren mehrmals: Im Gründungsjahr 1955 war Walter Josef Keller als Geschäftsführer ausgewiesen, im Mai 1956 wurde er von Eduard Hauk abgelöst, 1957 übernahm Anton Bauer, 1959 folgte Franz Kotzian. Ab Mitte der 1960er Jahre war das Kino bereits Teil der internationalen Constantin-Gruppe. 1975 erhielt das Kino im Vorraum zwei „Unterhaltungsspielapparate", im selben Jahr wurden für spezielle Filmaufführungen die Sitzreihen minimiert und 16 Tonlautsprecher eingebaut, um besondere Effekte zu erzielen.

Kurz nach der Eröffnung bestand das Kino aus einem großen Saal mit 538 Parterre- und 229 Balkonsitzen. 1980 wurde es zu einem frühen „Kino-Center" umgewandelt, dabei wurde der einst großzügige Hauptsaal horizontal getrennt und zwei kleine Säle daraus gestaltet, ein weiterer Saal befand sich im ersten Stock, neben dem Eingang wurde ein Café eingerichtet. Um 1990 wurden zwei weitere Säle errichtet, sodass das „Cineplex"-Kino zuletzt über fünf Säle verfügte.

2011 musste das Kino, so die damalige Constantin-Unternehmensführung gegenüber der Tageszeitung „Der Standard", aufgrund rückläufiger Besucherzahlen und der „einseitigen Wiener Kinoförderung" schließen. Nach zahlreichen Spekulationen um die Weiternutzung des Straßenlokals wurde 2015 klar, dass hier eine Filiale eines internationalen Supermarkt-Konzerns errichtet werden würde.

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