Chronik
Das Theater befand sich in der Matzleinsdorfer Hauptstraße, Konskriptionsnummer 15–17, beziehungsweise Matzleinsdorfer Straße 45–51; heute Wiedner Hauptstraße 123, 123a, 125, Gassergasse 44. Es war eine bedeutende, wenn auch heute weitgehend vergessene Bühne im südlichen Teil von Wien. Es entstand 1837 in der damaligen Matzleinsdorfer Straße als privates Haustheater des Armeelieferanten Josef Dietrich, der mehrere Gebäude zu einem Palais vereinen ließ. Eines dieser Häuser wurde zur „Fürstlichen Sulkowskischen Übungsbühne" umgebaut und entwickelte sich rasch zu einem kulturellen Treffpunkt.
Bereits kurz nach der Eröffnung wurde das Theater mehrfach erweitert. Bei der ersten Aufführung am 30. Dezember 1837 stand auch Dietrichs Tochter Anna auf der Bühne, die später Ludwig Fürst Sulkowski heiratete. Unter seiner Leitung erhielt das Haus seinen bekannten Namen und wurde zugleich als Probenbühne für den Verein „Polyhymnia" genutzt.
Ein schwerer Einschnitt erfolgte während der Revolution von 1848: Kroatische Truppen unter Alfred zu Windisch-Graetz zerstörten das Gebäude nahezu vollständig, da sie ein Fassadenfresko der Muse Thalia fälschlich als politisches Symbol interpretierten. In der Folge wandelte sich das Theater zu einer Dilettanten- und Versuchsbühne. In den 1860er Jahren begann eine neue Phase: Der Burgtheater-Komparseriechef Valentin Niklas pachtete das Haus und führte es als Probebühne für Nachwuchstalente weiter. Hier trat unter anderem Josef Kainz erstmals auf. Unter Niklas' Leitung gewann das Theater an Popularität und wurde zeitweise als „Niklastheater" bekannt.
Nach Niklas' Tod 1883 setzte jedoch ein langsamer Niedergang ein. Wechselnde Direktionen konnten den Bedeutungsverlust nicht aufhalten. Schließlich musste das Theater am 7. April 1895 schließen. Das Gebäude wurde 1908 abgetragen. Heute erinnert am ehemaligen Standort nur noch die spätere Verbauung, darunter eine Schule in der Gassergasse, an die bewegte Geschichte dieses einst lebendigen Theaterortes.

