Chronik

Der schon 1405 urkundlich erwähnte Thurnhof stand unter dem Schutz der Herren von Ebersdorf. Aus einem Brief des Freiherrn Stephan von Haimb vom 2. Februar 1605 an den Wiener Bürgermeister Augustin Haffner geht hervor, dass auf diesem Hof bereits ein Brauhaus bestand, welches schon damals „Märzenbier" gebraut haben soll. 1622 lieferte das Brauhaus Bier an das Wiener Bürgerspital, seit den 1670er Jahren bestand hier auch eine kleine Hoftaverne. 1677 erwarb das Himmelpfortkloster die Grundherrschaft über Simmering und damit auch den Thurnhof mit der Brauerei; kurz vor der Zweiten Türkenbelagerung 1683 wurden 48 Eimer Bier und 15 Maß Branntwein aus dem Brauhaus in Sicherheit gebracht.

Nach Aufhebung des Klosters 1783 kam die Grundherrschaft an die Staatsgüteradministration. 1801 stellte der Pyrotechniker Joseph Lenoble Edler von Edlersberg einen neuen Heizkessel auf und führte damit die Steinkohlefeuerung im Brauwesen ein. 1802 erwarb Johann Georg Dittmann das bis dahin erfolglose Brauhaus, 1821/22 ging es an Georg I. Meichl über, der aus einer alten schwäbischen Brauerfamilie stammte und in Simmering als Lehrmeister von Anton Dreher dem Älteren bekannt wurde. Sein Sohn Theodor I. Meichl übernahm 1840 die Leitung, wurde 1846 erster Vorsteher des Brauherrenvereines für Wien und Umgebung und zählte zu den ersten, die von Handwerks- auf Fabriksbetrieb umstellten.

Unter seinen Söhnen Theodor II. und Georg II. Meichl erlebte das Brauhaus seine erfolgreichste Zeit: 1898 erreichte die Bierproduktion mit 180.155 Hektolitern ihren Höchstwert, mit Dampfmaschinen von insgesamt 550 PS, 90 Pferden und 16 Ochsen zur Auslieferung sowie 225 beschäftigten Arbeitern – dennoch blieb das Simmeringer Brauhaus nur das siebtgrößte Brauhaus Wiens, in scharfer Konkurrenz zur Dreher-Brauerei in Schwechat und zum Brauhaus St. Marx der Familie Mautner Markhof. 1913 fusionierte die Simmeringer Brauerei der Firma Th. & G. Meichl mit den Brauereien Schwechat und St. Marx zu den „Vereinigten Brauereien Schwechat, St. Marx, Simmering – Dreher, Mautner, Meichl AG". Die Bierproduktion wurde 1917 im Ersten Weltkrieg eingestellt, zwischen 1927 und 1930 während der Generalsanierung der Schwechater Brauerei kurz reaktiviert und 1930 endgültig eingestellt. Die Betriebsgebäude wurden bis 2004 anderweitig genutzt, seit 2011 steht an ihrer Stelle der „Campus Mautner Markhof" – erhalten sind nur mehr der „Rosenhof" als JUFA-Jugendhotel, der „Kastanienhof" mit dem Torbogen des Thurnhofes und das Gebäude der ehemaligen Brauhausrestauration.

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