Chronik
Die Wehr- und Schleusenanlage beim Wiener Stadtteil Nussdorf ist eine wasserbauliche Einrichtung an jener Stelle, wo der Donaukanal von der Donau abzweigt. Sie wurde aufgrund des vom Reichsrat erlassenen Gesetzes vom 18. Juli 1892, betreffend die Ausführung öffentlicher Verkehrsanlagen in Wien, erbaut. Das Gesetz regelte die Finanzierung des Baues der Wiener Stadtbahn, der Umwandlung des Donaukanals in einen Handels- und Winterhafen, der Regulierung des Wienflusses und des Baues von Sammelkanälen entlang beider Flüsse. Notwendig wurde die Anlage, um die Neubauten am Donaukanal wie Stadtbahn, Sammelkanäle und später den Hafen mit den Schiffen vor Hochwässern und Eisstößen zu schützen, andererseits aber für die Schifffahrt genügend Wasser in den Kanal zu lassen.
Interessanterweise stimmt der Name der Bauwerke nicht mit der Bezirkszugehörigkeit überein: Nussdorf ist Teil des 19. Bezirks und der nächstgelegene Ort, die allermeisten Bauteile befinden sich jedoch in der Brigittenau, zur Bauzeit noch Teil des 2. Bezirks, 1900 als 20. Bezirk ausgegliedert – die Bezirksgrenze verläuft am westlichen Nussdorfer Ufer des Donaukanals. Namensgeber der auch als Löwenbrücke bekannten Schemerlbrücke war Joseph Schemerl von Leythenbach (1752–1844), k.k. Hofrat und Hofbauratsdirektor. Beim neben dem Nussdorfer Wehr nach Plänen von Otto Wagner erbauten ehemaligen Verwaltungsgebäude der Donau-Regulierungs-Commission, jetzt Donau-Hochwasserschutz-Konkurrenz, handelt es sich um einen dreigeschoßigen secessionistischen Bau, südlich davon liegt das ein- bis zweigeschoßige Kettenmagazin.
Seit 2005 hat das Wehr ein Laufwasserkraftwerk, das Kraftwerk Nussdorf, bestehend aus 12 Hydromatrixturbinen mit einer Gesamtleistung von 4,8 MW. Seit April 2017 können Fische das Wehr mittels einer Fischtreppe aufwärts überwinden, die am linken Ufer errichtet wurde und den Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie sowie des Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplans entspricht.

